Cloppenburg - Es stand nicht auf ihrem Stundenplan, gelernt haben sie es trotzdem: Die hohe Kunst der Improvisation war im letzten Schulhalbjahr der Abiturienten der BBS am Museumsdorf wegen der Corona-Krise immer wieder nötig. Und so passte es, dass selbst noch für ihre Zeugnisübergabe improvisiert werden musste: Eigentlich sollten die Abiturienten die Früchte ihrer Arbeit im Rosenhof gemeinsam und mit jeweils einem Gast ernten, aber das regnerische Wetter der letzten Tage schmiss die Planungen über den Haufen. Nun gab es die Zeugnisse für jeweils zwei Klassen in vier Durchgängen und ohne Elternteil in der Aula. Schön war’s trotzdem.

Und vor allem abwechslungsreich: Hatten sich Schüler und Lehrkräfte doch einiges ausgedacht. Da wurde hier und da ein ganzer Baum in die Aula geschleppt, Freddie Mercury oder Tim Bendzko gelauscht, ein Gedicht vorgetragen und Gebasteltes verschenkt. Viel wurde gelacht, aber auch hier und da eine Träne verdrückt.

Ja, viele Schüler machten klar, dass sie sich zwar über das bestandene Abitur freuen, die Schule aber durchaus mit Wehmut verlassen. Und das nach diesem letzten Halbjahr, das der Leiter des beruflichen Gymnasiums, Timo Möhlenkamp, wie folgt beschrieb: „Es war ein rumpeliges Halbjahr, das mit dem Regen auch noch blöd aufhört.“ Dass die Schüler trotzdem schweren Herzens gehen, spricht für die Lehrer der Berufsbildenden Schulen am Museumsdorf. Offenbar haben sie für eine gute Lernatmosphäre gesorgt.

Und so wurden sie dann auch von ihren Schülern versorgt, und zwar mit Geschenken: Hier ein junger Apfelbaum, dort Leckereien und sogar selbstgedichtete Poesie gab es von den Schülern für ihre nun ehemaligen Pauker.

Und die hatten für ihre Ex-Schüler nicht nur die Abiturzeugnisse und viel Lob dabei, sondern auch noch Präsente. Etwas Süßes, Rosen oder gar Selbstgebasteltes gab es zum Schulabschluss.

Gefreut dürfte die Abiturienten aber besonders das Lob haben. Da wurde von beeindruckenden Entwicklungen und von hervorragenden Leistungen berichtet oder gar einer Klasse gesagt, dass man sich keine bessere Klasse habe wünschen können. Eine Lehrerin machte dann mit einem Song der Gruppe Queen klar, wie sie ihre Schüler nach dem bestandenen Abitur sieht. Und so lauschten die jungen Erwachsenen andächtig dem Hit: „We are the Champions“. Später bekamen ihre Mitschüler noch „Hoch“ von Tim Bendzko zu hören.

Studiendirektor Möhlenkamp brachte das Lob dann auf den Punkt: „Ihr könnt stolz auf euch sein. Schließlich habt ihr euer Abitur unter widrigsten Umständen geschafft. Auch der Schnitt ist trotz Corona sehr gut.“ Dennoch hofft er, „dass ihr unser einziger Corona-Jahrgang bleibt“.

Das dürfte auch Schulleiter Günter Lübke hoffen. Besonders freute ihn, „dass von 122 angemeldeten Schülern alle das Abitur bestanden haben“. Der Jahrgang ist offensichtlich ein richtig guter. So konnte Lübke noch von elf Schülern mit einer Eins und 64 mit einer Zwei vor dem Komma berichten. Aber auch in diesem starken Jahrgang gab es noch herausragende Leistungen. So wurde Katharina Knipper für das beste Abitur mit der Note 1,3 geehrt. Sie wurde vom stellvertretenden Landrat Hermann Schröer ausgezeichnet. Und der hatte bei der Ehrung denselben Gedanken wie Schulleiter Lübke. So sagten sie unisono: „So eine Abschlussnote hätte ich auch gerne gehabt.“

Steffen Szepanski
Steffen Szepanski Redaktion Münsterland (Lokalsport)