Staatsforsten - Raus in die Natur: Den Cloppenburger Thomas Müller (51) zieht es mit seinem Hund Eddie öfters zum Spazierengehen in das Staatsforstener Waldgebiet beim Griesen Stein. Dabei lässt er seinen treuen Begleiter auch von der Leine, um dem bewegungsfreudigen Tier ein wenig Auslauf zu können.
Konflikte mit Jägern
Das scheint offenbar einem oder mehreren Jägern, die in diesem Bereich ihrer Passion nachgehen, nicht zu schmecken. Denn seit anderthalb Wochen hängt an einer Wiese gegenüber vom Griesen Stein – wenn man in Richtung Wald geht – ein Schild, auf dem geschrieben steht: „Wölfe suchen auch in diesem Gebiet nach Beute. Hunde an kurzer Leine führen. Kinder beaufsichtigen.“
Gegenüber auf einem freien Feld – circa vier Hektar Wiese und Felder – steht ein Hochsitz. „Bei einem unserer letzten Spaziergänge kam ein lauter Pfiff vom besetzten Hochsitz rüber. Den ignorierten wir“, berichtet Müller. Man habe jedoch sicherheitshalber den Hund angeleint, da man in einer Luke das Gewehr habe erkennen können.
Keine Schonzeit
„Da ich noch nicht von Wölfen in Staatsforsten gehört habe, scheint der Jäger wohl keine Lust auf Hunde und Kinder zu haben“, sagt Müller. In jüngster Zeit sei er auch des Öfteren von Waidmännern angesprochen worden, dass er seinen Hund im Wald nicht frei laufenlassen dürfe. Das sei jedoch falsch, das gelte nur für die Brut- und Setzzeit, so Müller. Nur vom 1. April bis 15. Juli müssten deshalb Hunde in Feld, Wald und Flur an der Leine geführt werden, es sei denn, dass sie zur Jagdausübung etc. eingesetzt werden.
„Nach Informationen des Landkreises Cloppenburg hat die Stadt Cloppenburg eine Anleinpflicht für dieses Gebiet nicht verfügt“, erklärte Kreispressesprecher Frank Beumker auf Nachfrage unserer Redaktion. Warnschilder des Typs, den auch Spaziergänger Müller in Staatsforsten entdeckt hat, würden häufig von den Jägern aufgehängt, um eine Beunruhigung des Wildes auch außerhalb der Schutzzeit zu verhindern. „Grundsätzlich ist es dem Eigentümer nicht verboten, ein solches Schild aufzuhängen“, so Beumker.
Keine Wölfe
Dem Landkreis Cloppenburg – so Beumker weiter – lägen keine konkreten Erkenntnisse über Wölfe im Gebiet Staatsforsten vor. „Aufgrund des großen Aktionsradius eines Wolfes kann dies allerdings grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden.“
Dies bestätigt auch der zuständige Wolfsberater Hermann Wreesmann (Friesoythe). Zurzeit gebe es im Kreis Cloppenburg nur zwei Territorien, in denen sich nachweislich Wolfsrudel angesiedelt hätten: zum einen im Bereich Herzlake/Löningen und zum anderen im Großraum Eleonorenwald, der sich zu einem Drittel im Bereich Neuvrees und zu zwei Dritteln im benachbarten Emsland befinde.
Suche nach Revier
Zurück nach Staatsforsten: Natürlich sei es denkbar, so Wreesmann weiter, dass ein einzelner Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier auch durch Staatsforsten ziehen könnte. Der Wolf absolviere pro Nacht auch schnell einmal 50 Kilometer.
Er appellierte an Spaziergänger mit Hunden, auch auf die Belange der Jäger und des Wilds Rücksicht zu nehmen. Deshalb rate er Hundebesitzern, ihre Schützlinge nur auf befestigten Wegen laufen zu lassen.
Keine Angriffe
Zurzeit leben in Mitteleuropa etwa 20.000 Wölfe, seit 40 Jahren hat es keinen Übergriff von einem Wolf auf den Menschen gegeben. Dagegen sterben jährlich deutschlandweit im Schnitt 3,3 Personen aufgrund von Hundebissen.
