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„Das Virus ist heimtückisch“ Böseler Hausarzt leidet immer noch an Covid-Folgen

Bösel - Wie geht es Ihnen? „Bescheiden“, sagt Hausarzt Holger Meister. Der 62-jährige Böseler Ratsherr hat sich, wie einige andere Teilnehmer, Anfang Februar bei einer politischen Sitzung mit dem Corona-Virus angesteckt. Zeitweise war er lebensgefährlich erkrankt.

Noch immer kämpft Meister mit den Folgen – er hat das Post-Covid-Syndrom. Er sei derzeit maximal 50 Prozent so leistungsfähig wie vor der Erkrankung, schätzt er. Er ist schnell erschöpft, braucht täglich Sauerstoff. Das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen, so hatte er den Termin mit der Presse vergessen.

Großer Impfbefürworter

„Wer in die Praxis kommt und sagt ,Covid gibt es nicht’, den schmeiße ich raus, der kann sich einen anderen Arzt suchen“, sagt Meister, der schon immer ein große Impfbefürworter war. Wie viele andere seines Alters war er aber im Februar noch nicht geimpft, weil seine Prioritätsgruppe noch nicht dran war.

Der Hausarzt warnt dringend davor, eine Corona-Infektion zu unterschätzen. „Das Virus ist heimtückisch, es kann jedes Organsystem befallen. Es kann sich alles entzünden“, sagt Meister. Bei ihm ging es sechs Tage nach der Infektion los mit schweren Magen-Darm-Problemen. Sein Körper dehydrierte stark. Er kam auf die Isolierstation des St.-Marien-Hospitals Friesoythe und erhielt Infusionen.

Doch dann entwickelte sich eine massive Lungenentzündung. „Ich bin vorgeschädigt, ich hatte vor sechs Jahren eine Lungenembolie“, sagt Meister. Der Allgemeinmediziner wurde auf die Intensivstation verlegt, mit Sauerstoff versorgt und in Bauchlage gebracht. „Weil die Lunge dann entspannt“, erläutert Meister. Acht Tage musste er so intensivmedizinisch versorgt werden.

Impfappell an alle

Trotz seiner Corona-Erkrankung hat sich Hausarzt Holger Meister bereits mit einem mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 impfen lassen. Bei seinen Patienten beobachtet er eine gewisse Impfmüdigkeit. Aber nun impft er vermehrt Jugendliche, die ihr Sozialleben wieder aufnehmen wollen. „Ich kann das nur jedem ans Herz legen“, sagt Meister. „Besonders jedem, der eine chronische Erkrankung hat.“

Er sei froh, dass es die neue mRNA-Technik geben, die Biontech und Moderna für ihre Impfstoffe nutzen, sagt Holger Meister. „Irgendwann wird eine Mutation kommen, da wird diese Impfung nicht helfen.“ Dann könnten die Produktion für mRNA-Impfstoffe innerhalb von sechs Wochen umgestellt werden. „Wir gewinnen den Kampf nicht. Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben.“

Zu wenige Sauerstoff

An diesem Punkt war Meister völlig entkräftet, hatte zehn bis zwölf Kilo Gewicht verloren, die Haare fielen ihm aus. Trotzdem seine Lunge immer noch schlecht Sauerstoff aufnahm, entließ ihn das St.-Marien-Hospital nur, weil er selbst Mediziner ist und sich zuhause ein Sauerstoffgerät aufstellte. Das konnte er zu Beginn nicht mal anheben, geduscht habe er nur im Sitzen, berichtet Meister. Vier Wochen habe er zuhause Physiotherapie bekommen und selbst trainiert, bis er überhaupt fit genug war, um für eine Reha in eine Spezialklinik nach Bayern zu fahren.

Dort traf Meister auf andere Patienten, die am Long-Covid-Syndrom leiden. 20 bis 30 Prozent der schwer Erkrankten entwickelten es, sagt Meister. Halten die Beschwerden mehr als sechs Monate an, spricht man von Post-Covid-Syndrom. Es seien auch Menschen dabei gewesen, die aufgrund ihres anhaltend schlechten Zustandes Depressionen entwickelt hätten. Erwachsene, die aus ihrem Arbeitsleben gerissen wurden und nun nicht wieder zurückkehren können. Auch Meister kommt nur langsam wieder in die Gänge, was ihm schlechte Laune bereitet. Zur Wiedereingliederung arbeitet er wenige Stunden. Und er fragt jeden Patienten, ob er schon geimpft sei.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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