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Corona im Kreis Cloppenburg Krankenhaus-Ärzte warnen: „Es ist noch längst nicht vorbei“

Friesoythe/Cloppenburg - Die ärztlichen Leiter der zwei örtlichen Krankenhäuser haben zu einem Pressetermin gebeten, um der Bevölkerung des Landkreises Cloppenburg zur Corona-Pandemie zu sagen: „Es ist noch längst nicht vorbei. Bis wir alle durchgeimpft sind, müssen wir vorsichtig sein. Sonst kommen die Krankenhäuser an ihre Grenzen.“

So formuliert es Dr. Ralf Weise, ärztlicher Leiter des St.-Marien-Hospitals Friesoythe. Er und Dr. Hans-Günther Hempen, ärztlicher Direktor des St.-Josef-Hospitals Cloppenburg, gehen davon aus, dass sich Deutschland bereits im Anlauf zur „Dritten Welle“ der Pandemie befindet.

Infektionszahlen hoch

Es ärgere ihn seit Wochen, dass die Infektionszahlen im Landkreis so hoch seien, sagt Weise: „Woran es liegt, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber es fällt auf.“ Offenbar würden einige Gruppen so leben, als gäbe es keine Pandemie. Vor allem im Privatleben komme es zu Ansteckungen. Die von der Politik beschlossenen Lockerungen seien daher ein falsches Signal: „Als wären wir auf dem richtigen Weg.“

Der Appell der beiden Mediziner: Die Leute dürften jetzt nicht nachlässig werden.

Kapazitätsgrenze

Größere Krankenhäuser nehmen Covid-Patienten, die beatmet werden müssen, ab sofort nicht mehr auf. Erst wenn sie auf eine künstliche Lunge angewiesen sind, ihre eigene Lunge also bereits versagt.

Das erhöht den Druck auf lokale Krankenhäuser. Sowohl das St.-Marien- in Friesoythe als auch das St.-Josef-Hospital in Cloppenburg haben Beatmungspatienten bisher nach Westerstede, Oldenburg oder Hannover abgegeben, das berichten die beiden ärztlichen Leiter. Denn schon wenn eine Sauerstoffmaske zur Unterstützung nicht mehr reiche, gehe es den Patienten sehr schlecht.

Auch für Impfungen machen sich die beiden Ärzte stark. „Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung“, sagt Weise. Alle Impfstoffe, die in Deutschland auf dem Markt seien, seien sicher. Sie seien auf europäischer und noch einmal auf deutscher Ebene getestet. Aber: „Die Tatsache, dass man geimpft ist, heißt nicht, dass man sich nicht infizieren kann.“ Es gehe viel mehr darum, schwere Verläufe der Covid-19-Erkrankung zu verhindern. Auch der unbeliebte Impfstoff von Astrazeneca, mit dem auch ein Großteil des Teams am St.-Marien-Hospital geimpft sei, sei sehr gut: „Astrazeneca hat nach der ersten Impfung eine hohe Wirksamkeit. Die Sterblichkeit sinkt drastisch.“ Es könne sein, dass das Covid-19-Virus ein ständiger Begleiter der Menschen werde, ähnlich wie die Grippe. So müssten nach dieser Impfung vielleicht weitere folgen, die auf Mutationen angepasst sind.

Immunität und Ignoranz

Es gebe zwei Weg auf denen eine Pandemie enden könne, erläutert Hempen: Der medizinische Weg sei, dass die Herdenimmunität erreicht werde, zum Beispiel durch Impfen. Oder die Pandemie ende „im Kopf“, indem die Menschen weiterlebten, als gebe es die Gefahr nicht. „Das wäre jetzt ein blöder Zeitpunkt“, kommentiert Weise. „Dann wären der Lockdown und alle anderen Anstrengungen umsonst gewesen.“

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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