Bösel/Cloppenburg - Die Kreisverwaltung Cloppenburg weist „entschieden“ die Vorwürfe zurück, man habe das Seniorenheim Edith Stolte in Bösel mit einem Covid-19-Ausbruch „im Stich gelassen“. So hatte jedoch Pflegedienstleiter Daniel Meenken seine Erfahrungen mit dem Kreisgesundheitsamt zusammengefasst: „Wir waren denen egal.“ Vor Weihnachten waren mehrere Infektionsfälle aufgefallen. Letztendlich infizierten sich alle 22 Bewohner und 22 der 27 Mitarbeiter. Meenken hatte geschildert, der Kreis habe keine PCR-Labortests angeboten und er habe keine Hilfe beim Personalengpass bekommen.
„Umfassende Betreuung“
Doch der Landkreis betont es habe „eine umfassende Betreuung durch das Kreisgesundheitsamt im Rahmen seiner Möglichkeiten“, gegeben. Und weiter: Weil die Labore über die Weihnachtsfeiertage geschlossen hatten, habe es keine Möglichkeit gegeben, dem Böseler Heim Tests anzubieten. „Daher blieb als einzige Möglichkeit eine Überweisung an den Hausarzt“, so der Kreis Cloppenburg.
„Unbürokratisch“, sei indes eine „Arbeitsquarantäne“ gestattet worden. Das heißt: Es wurde genehmigt, dass infizierte Mitarbeiter ohne Symptome arbeiten, um Personalengpässe während der Quarantäne zu verhindern. „Diese Mitarbeiter waren dann befugt, ausschließlich mit bereits positiv getesteten Bewohnern zu arbeiten“, so der Kreis.
Nun will das Gesundheitsamt das Hygienekonzept der Einrichtung überprüfen. Es werde „eingehend“ geprüft, „warum es dazu kommen konnte, dass sämtliche Bewohner des Altenpflegeheims mit Covid-19 infiziert werden konnten, obwohl es Besuch von außen nach dem ersten Fall nicht mehr gab“, schreibt der Kreis. „Es liegt auf der Hand, dass eine mehrfache Übertragung zwischen den Bewohnern und dem Personal stattgefunden haben muss. Bei einer strikten Beachtung der Hygieneregeln gibt es eigentlich keine Ansatzpunkte, die eine Ausbreitung in diesem Maß erklären würden.“
Die an dem Corona-Virus erkrankten Senioren im Altenheim Edith Stolte hatten keine schweren Krankheitsanzeichen. Sie seien müde und abgeschlagen gewesen, berichtet Pflegedienstleiter Daniel Meenken. Einige hätten leichten Husten gehabt. Die Kreisverwaltung bittet vor diesem Hintergrund vor allem Bürgerinnen und Bürger, die mit alten Menschen arbeiten, bei typischen Symptomen von Covid-19 wie Geschmacksverlust, Husten und allgemeinem Unwohlsein nicht zur Arbeit zu gehen. „Es ist der kleinste Beitrag, der zur Eindämmung dieser Pandemie geleistet werden kann“, so die Kreisverwaltung.
Es sei aufgefallen, dass es sich bei dem Hygienekonzept der Einrichtung um eine Mustervorlage des Landesgesundheitsamts handele: „Das ist nicht schlimm, jedoch wurde es wohl nicht auf die örtlichen Bedingungen angepasst, Zuständigkeiten sind darin ebenfalls nicht geklärt.“ Es sei wichtig ein Hygienekonzept „auch mit Leben zu füllen, damit es Wirkung zeigen kann. Inwieweit das in Bösel geschehen ist, soll jetzt geklärt werden.“
Praxisferne Einschätzung
Für Pflegedienstleister Meenken sind solche Ausführungen eher praxisfern: „Ein Hygienekonzept sieht Demenzkranke mit Lauftendenzen nicht vor.“ Man dürfe die Bewohner doch nicht in ihren Zimmern einsperren. Es sei Alltag, dass Demenzkranke im Haus unterwegs seien.
Das Gesundheitsamt will nun den ganzen Vorgang „eingehend“ prüfen. „Gleichzeitig ist die Kreisverwaltung glücklich darüber, dass es in Bösel nicht zu schweren Krankheitsverläufen oder gar Todesfällen gekommen ist“, teilt der Landkreis mit. Ein solches Szenario werde sich durch die Impfungen in Altenpflegeeinrichtungen „wohl nicht wiederholen“.
