Friesoythe/Landkreis - „Die Schule soll Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schülern den Erfahrungsraum und die Gestaltungsfreiheit bieten, die zur Erfüllung des Bildungsauftrags erforderlich sind.“ So steht es im Bildungsauftrag des niedersächsischen Schulgesetzes. Die aktuelle Situation, mit der Einführung des B-Szenarios an Schulen im Landkreis Cloppenburg – lässt uns, die Schülervertreter, zweifeln, ob der Bildungsauftrag noch in seiner Fassung gewahrt werden kann.
Keine Frage: Die bedrohliche, pandemische Lage erfordert gut begründete Maßnahmen. Das B-Szenario trifft heute allerdings auch Schulen mit keinen oder nur wenigen Infizierten, die separiert in häuslicher Quarantäne geschickt werden könnten. Der Wechsel ins B-Szenario stellt aus unserer Sicht eine wenig nachvollziehbare Strategie im Umgang mit den Schulen und insbesondere mit den Abiturjahrgängen dar.
Die Autoren dieses Beitrags sind Dennis Bent aus Bösel und Paul Lanwer aus Elisabethfehn. Die beiden 19-Jährigen sind die Schülervertreter der allgemeinen und berufsbildenden Schulen im Schulausschuss des Landkreises Cloppenburg. Bent geht auf das Technik-Gymnasium der BBS Friesoythe und Lanwer auf das Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) Friesoythe.
Viele Ungerechtigkeiten
Momentan sind Schüler durch den alternierenden Schulbetrieb mit einer prekären Digital-Situation und Ungerechtigkeiten konfrontiert und das kurz vor den Abitur- und Abschlussprüfungen. Wie definieren sich diese Ungerechtigkeiten?
Ganz einfach: Unterschiedliche Voraussetzungen im Elternhaus im B-Szenario und zentral gestellte Abiturklausuren. B-Szenario bedeutet für die Schüler kaum effektiven Unterricht, wie die Erfahrung vieler Schüler mit der ersten Woche im wechselnden Schulsystem gezeigt hat. Die Schüler müssen in einem diffus definierten Zeitraum den gleichen Schulstoff wie Lernende aus Landkreisen mit geringerer Inzidenz leisten. Problematiken und Ungerechtigkeiten in den zentral gestellten Abschlussprüfungen sind vorprogrammiert.
Die fehlende Vorbereitung in der Sommerzeit, die mangelnde Kreativität in der Pandemiebewältigung der Landes- und Bundesregierung – sowie unseres Landkreises – lassen zu wünschen übrig. Um konkret zu sprechen: Warum nutzen wir nicht beispielsweise geschlossene Industrieanlagen oder die leeren Konferenzräume der Hoteliers, um den Infektionsschutz, auch ohne B-Szenario weiter zu gewährleisten?
Fehlende Debatten
Am 15. September haben wir als Schülervertreter im Schulausschuss des Landkreises bereits dafür plädiert, widersprüchliche Maßnahmen aufzuheben und durch eine Stärkung des Infektionsschutzes (bis dahin keine allgemeine Maskenpflicht) an Schulen den Regelbetrieb aufrechtzuerhalten. Ein lässig fortgeführter Sportbetrieb und ein sinnvoll reglementiertes Kohorten-Prinzip in den Schulen widersprachen sich unserer Meinung nach auf groteske Weise.
Eine Debatte wie am 15. September kann heute allerdings nicht mehr stattfinden, da der Schulausschuss bis auf Weiteres ausgesetzt ist. Zuwider der Forderung des Münchner Philosophen Julian Nida-Rümelins, der besonders in Zeiten der Pandemie den offenen Diskurs als ein tragendes Element einer funktionierenden Demokratie sieht, ist diese Gegebenheit für uns gegenwärtig nicht realisiert.
