Cloppenburg - An einem schweren Holztisch sitzt der Mann mit einem Federkiel in der Hand, trägt seltsam aus der Zeit gefallene Kleidung. Über ihm imitieren drei Leuchtstoffröhren das Tageslicht, das durch die etwas abgehängten Fenster scheint. Im Raum ist es diesig – was daran liegen könnte, dass vor kurzem noch eine Nebelmaschine Dunst in den kleinen Raum des Hauses Wehlburg im Cloppenburger Museumsdorf gepustet hat.
Ins Mittelalter
Auch wenn Besucher des Freilichtmuseums es gewohnt sind, auf dem Gelände auf Zeitreise zu gehen, wird es auf dieser Hofanlage gerade noch authentischer. Und noch früher in der Zeitgeschichte. Es geht in die Zeit von Nikolaus Kopernicus nämlich, der von 1473 bis 1543 im jetzigen Polen gelebt hat. Und spätestens wenn im Nebenraum des verqualmten Arbeitszimmers das Kommando „Kamera läuft, Ton läuft“ gerufen wird, dürfte jedem klar sein, dass man mitten in einem Filmset steht.
Im Cloppenburger Museumsdorf entstehen noch bis Donnerstag einige Szenen zu einem Dokuementarfilm rund um Nikolaus Copernicus.
Mareike Wübben
Im Cloppenburger Museumsdorf entstehen noch bis Donnerstag einige Szenen zu einem Dokuementarfilm rund um Nikolaus Copernicus.
Mareike Wübben
Im Cloppenburger Museumsdorf entstehen noch bis Donnerstag einige Szenen zu einem Dokuementarfilm rund um Nikolaus Copernicus.
Mareike Wübben
Im Cloppenburger Museumsdorf entstehen noch bis Donnerstag einige Szenen zu einem Dokuementarfilm rund um Nikolaus Copernicus.
Mareike Wübben
Draußen ist eine Platte mit einer Lehm-Imitation angebracht worden. auf denen Kopernikus Sonnenbahnen gezeichnet hat. Nur der Blitzableiter stört das Bild noch.
Mareike Wübben
Im Nebenzimmer beobachtet die Crew, ob bei Ton und Bild alles richtig gelaufen ist.
Mareike Wübben
Auf dem kleinen Bildschirm sieht der Regisseur, ob die Einstellungen passen.
Mareike Wübben
Für den Film „Geheimsache Kopernikus“, der von NDR/Arte zum 550. Geburstag des Astronomen im Februar 2023 entsteht, wird noch bis Donnerstag im Museumsdorf gedreht. In den Hauptrollen verkörpert Rufus Beck den Kopernikus, Anna Schilling – die Haushälterin und Geliebte – wird von Anja Antonowicz gespielt. Und Max Bretschneider spielt den jungen Mathematiker, der Kopernikus unterstützt.
Denn in dem Film soll es vor allem darum gehen, wie Kopernikus von seinem Umfeld dabei begleitet wurde, seine Entdeckungen rund um unser Universum zu veröffentlichen. „Er hat lange damit gehadert, dass seine Berechnungen nicht ganz korrekt waren“, erklärt Onno Ehlers, der als betreuender Producer tief in die Recherche eingestiegen ist. Denn obwohl Kopernicus schon 50 Jahre vorher herausgefunden hatte, dass alles um die Sonne kreist, veröffentlichte er diese Erkenntnis erst als älterer Mann.
Authentische Szenen
Gedreht wurden Teile der szenischen Dokumentation bereits in Polen an den wirklichen Wirkungsstätten und in einer Burg bei Hameln. Seit zwei Jahren arbeitet der Producer an der Doku, die viel Detailarbeit erfordert. Vorher werden die Drehorte besucht, die Schauspieler gecastet. Und dabei muss auf Authentizität geachtet werden. Und so wurde in der Wehlburg mancher Einrichtungsgegenstand ausgetauscht. Bei anderen Gegebenheiten – wie den Eisenarbeiten – wird ein Auge zugedrückt. Und wenn mal ein Feuerlöscher im Bild sein sollte, wird der eben mit Stroh abgedeckt. „Auf die Details zu achten und sich reinzudenken, macht Spaß – manchmal steht man dann aber doch am Set und merkt, dass man gewisse Dinge nicht bedacht hat“, so Ehlers, der aus Oldenburg stammt.
Und dann kann es eben mal passieren, dass gewisse Szenen nochmal gedreht werden müssen. So auf der Burg in Hameln, wo im Hintergrund in einer Einstellung Bilder aus der Barockzeit (ab 1600) hingen. Und auch im Museumsdorf musste eine Kutsche aus dem Bild, weil die Reifen mit Metall versehen waren – und somit auf ein späteres Jahrzehnt hindeuten. Für eine Szene muss außerdem noch kurz der Blitzableiter abmontiert werden. Denn Kopernikus hat gerne an Wänden gemalt und gerechnet – Papier war damals sehr teuer. Szenenbildnerin Stefanie Probst hat dafür eine Lehm-Imitation auf die Wand gebracht. Und mittendurch läuft der Blitzableiter – den es zu Kopernikus’ Zeiten natürlich nicht gab.
