Friesoythe - 20 Geflüchtete aus der Ukraine – deutlich mehr Frauen als Männer – sitzen im Saal des Franziskushauses in Friesoythe. Sie machen im Willkommenskursus des Katholischen Bildungswerks Friesoythe mit Dolmetscherin Ala Oetjen ihre ersten Schritte in die deutsche Sprache und Bürokratie.
Alle sind junge Leute, viele haben Kinder, bei einigen sich auch die Eltern mitgekommen. Viele der Frauen haben ihre wehrfähigen Männer zurücklassen müssen. Sie kommen aus Kiew, Saporischschja, Winnyzja, Chetome, Cherson oder Dnipro und sind in den vergangenen Wochen durch Russlands Angriffskrieg aus ihrem Alltag gerissen worden.
Sie wollen zurück
Eine große Familie mit zwölf Erwachsenen ist auf unterschiedlichen Wegen im Nordkreis wieder zusammengekommen. „Wir haben alle dieselbe Großmutter“, sagt eine der Frauen. Alle wollen so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück, sagt eine andere Frau. Doch sie wissen alle, dass das nicht einfach wird.
Deswegen geht es jetzt erstmal darum, in Deutschland anzukommen. Ala Oetjen erklärt, wie Anmeldungen funktionieren und stellt gleich beglaubigte Übersetzungen der nötigen Dokumente her. Bankkonten müssen eröffnet und Sozialhilfe beantragt werden. Die Ausländerbehörde muss die Neuankömmlinge registrieren. Der Bedarf für die Willkommenskurse – die die Mitarbeiter des Katholischen Bildungswerkes ehrenamtlich organisieren – ist groß. Aus einem Willkommensangebot sind inzwischen acht Kurse geworden. Immer zwei 90-minütige Treffen laufen mittwochs und donnerstags parallel. 95 Asylanträge sind so schon auf den Weg gebracht worden.
Die Willkommenskurse bietet das Katholische Bildungswerk Friesoythe kostenlos an. Die Mitarbeiterinnen engagieren sich ehrenamtlich. Bücher im Wert von 1000 Euro habe sie bestellt und an die Teilnehmenden weitergegeben, damit diese bereits erste Lektionen Deutsch lernen können, berichtet Leiterin Nicola Fuhler.
Nun sollte es bald mit regulären Integrations- und Deutschkursen, die das Bildungswerk abrechnen könnte, weitergehen. Doch die Registrierung der vielen Personen bei der Ausländerbehörde des Landkreises Cloppenburg kommt nur langsam vorankommt. Die Ukrainer müssen lange auf ihre sogenannte Fiktionsbescheinigung (eine Art Flüchtlingsausweis mit Aufenthaltsstatus) warten, mit denen sie beim BAMF Integrationskurse beantragen können.
Das Bildungswerk Friesoythe hat an Landrat Johann Wimberg geschrieben, um auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Lösung wäre ein vorläufiges Schreiben der Ausländerbehörde, dass die Flüchtlinge bald eine Fiktionsbescheinigung erhalten. „Wir hoffen sehr, dass auf diesem unbürokratischen Weg den geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern möglichst schnell der Zugang zu einem Integrationskurs ermöglicht werden kann“, schreibt Fuhler an Wimberg.
Darüber hinaus plant das Bildungswerk für alle, die noch keinen Integrationskursus machen dürfen, Deutschkurse. „Es wäre schön, wenn es Sponsoren gäbe, die uns helfen, die Dozenten und die Organisation zu finanzieren“, sagt Fuhler.
Am Anfang seien noch sehr viele Kinder mit in die Willkommenskurse gekommen, berichtet Birgit Walker, pädagogische Mitarbeiterin des Bildungswerks. Die Kleineren werden von Heilpädagogin Ulrike Stock betreut – unterstützt von Muttersprachlerin Oksana Wendt und Praktikantin Nelly Richter.
Heute sind Veronika (4), Nikita (6) und Max (5) im Spielraum des Franziskushauses zu Gast. Die Schulkinder seien im Kursus dabei gewesen und hätten die ersten Worte Deutsch gelernt, sagt Birgit Walker. Doch die Eltern hätten dafür gesorgt, dass die Kinder sehr schnell in den Schulen angemeldet würden.
Anders bei den Kindergartenkindern: Es gebe ja sowieso schon Wartelisten für Betreuungsplätze, sagt Ala Oetjen. Die Chancen der ukrainischen Kinder stünden daher derzeit schlecht. Solange die Kinderbetreuung nicht geklärt sei, wollten sich aber zumindest die Männer Arbeit suchen.
„Herzlich aufgenommen“
Wie sie sich in Deutschland aufgenommen fühlen? Sehr gut. „Wir hätten das für euch auch so gemacht“, sagt eine Ukrainerin. Die Mutter eines Sohnes, der Diabetiker ist, berichtete, dass sie in der Diabetologischen Praxis am Marienhospital sofort mit den nötigen Geräten versorgt worden sei. Und eine andere sagt: „Einen großen Dank an die Leute, die uns geholfen haben, auch im Voraus für die weitere Unterstützung. Alle haben wir gesagt, es wird schwer Fuß zu fassen. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so herzlich aufgenommen werden.“
