Emstek/Damme - Konfusion am Wochenende: Die Viehhändler von Holland über Lorup bis nach Löningen, Bakum und Damme mussten am Wochenende mehrfach umdisponieren. Am Schluss schauten die Schweinemäster erneut in die Röhre: am Samstag kam in den beiden größten niedersächsischen Schlachtereien, bei Weidemark (Sögel) und Vion (Emstek), kein Schwein an den Haken.
Am Freitag um 19 Uhr hieß es in Sögel: schon am Samstag könne geschlachtet werden. Eine Stunde später retour nach Intervention des Gesundheitsamtes. Und dann kam mit dem Nein zu Schlachtungen in Sögel am Samstag – aber einem positiven Bescheid für den heutigen Montag – auch noch eine schlechte Nachricht aus Emstek: auch Vion schlachtet Samstag nicht. Wie ein Sprecher des Landkreises Cloppenburg berichtete, war hierfür keine Intervention des Kreises verantwortlich. Der hatte nämlich schon nach jüngsten Corona-Infektionen die Schlachtzahl auf täglich 7000 reduziert. Es soll Probleme mit einem Werkvertragsunternehmen aber auch wegen Engpässen aufgrund infizierter und in Quarantäne befindlicher Mitarbeiter gegeben haben.
Der Stau in den Ställen werde sich Ende Oktober auf eine Million belaufen, rechnete Dr. Albert Hortmann-Scholten, Experte der Landwirtschaftskammer, vor. „Wir haben deshalb bei Ministerpräsident Weil schnelle Hilfe gefordert, um den Infarkt der Wertschöpfungskette Schwein mit all seinen drastischen Folgen für einen ganzen Wirtschaftszweig noch abzuwenden“, meinte Geschäftsführer Dr. Thorsten Staack von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Damme. Unter anderem gehe es darum, die Kapazitäten zu erweitern, ohne dabei die Corona-Schutzmaßnahmen zu vernachlässigen.
Neben den Schweinemästern treffe es auch die Ferkelerzeuger hart, weil sie ihre Ferkel derzeit häufig nur sehr verzögert an die Mäster vermarkten könnten. Dringend seien, so berichtete Dr. Staack von einem „Schweinegipfel“, jetzt temporäre Ausnahmegenehmigungen an Sonn- und Feiertagen und Ausnahmen von der Arbeitszeitverordnung. Am „Tag der Arbeit“ war in Nordrhein-Westfalen das Schlachten schon erlaubt, Niedersachsen hatte sich damals noch gesperrt.
