Emstek - Nicht nur ehrfürchtig davor sitzen und zuschauen – selber machen. Das ist die Devise des Emsteker Handels- und Gewerbevereins (HGV). Statt das Feld des Online-Einkaufens und bequemen Lieferns den Online-Größen zu überlassen, wollen die Emsteker in den Angriff gehen. Digitaler werden steht ganz oben auf der Agenda für 2021 und die kommenden Jahre, blicken der 1. Vorsitzende des HGV, Claus Frye-Büssing, und sein Stellvertreter Peter Kleene voraus.
Gutscheine in der Krise
Eine Lehre aus der Corona-Pandemie ist ganz klar, dass Handel, Gastronomie, Dienstleister und Handwerker digitaler werden müssen. Und dabei will der HGV seinen Mitgliedern unter die Arme greifen. Erstes großes Projekt ist der digitale Gutschein. Denn was sich in der Pandemie auch gezeigt hat, ist, dass die Nachfrage nach dem HGV-Gutschein stark gestiegen ist. Das lag laut Frye-Büssing auch daran, dass einige Emsteker Unternehmen ihren Mitarbeitern den Emsteker Gutschein als Sachbezug schenken – so gibt es 44 Euro steuerfrei pro Monat. „So können wir regional die Kaufkraft binden“, sagt der 1. HGV-Vorsitzende.
Der neue digitale Gutschein soll dann für einzelne Unternehmen aber auch weiterhin als HGV-Gutschein erhältlich sein. So gibt es zum Beispiel demnächst im Werkmarkt Büssing die Gutscheine von Kleene. Auch mit einer App oder auf einer Webseite können Gutscheine erworben werden. Die werden ausgedruckt oder direkt auf dem Smartphone vorgezeigt. Gestartet werden soll damit in den kommenden Wochen.
Ein noch größeres und zeitlich aufwendigeres Projekt des HGV-Vorstandes ist die Schaffung eines Online-Marktplatzes für Emstek. Hier sollen Kunden online alles aus der Gemeinde shoppen können. Dann ist auch ein Lieferdienst angedacht. „Das wird kommen müssen, das ist die Zukunft“, sagt Frye-Büssing. „Bevor ich es irgendwo bestelle, kann es sein, dass das gesuchte Produkt in Emstek im Regal steht“, sagt der Unternehmer. Und mit der Auslieferung noch am selben Tag sei man sogar schneller als die Online-Händler, sagt Peter Kleene. Mit beiden neuen digitalen Projekten sei Emstek Vorreiter. Der HGV-Vorstand könne sich auch vorstellen, mit anderen Kommunen an beiden Ideen gemeinsam zu arbeiten.
Lieferdienst etabliert
Dass der regionale Lieferservice gut ankommt, hat die Weihnachtsaktion rund um den HGV-Lieferexpress gezeigt. Vor Weihnachten wurde er etabliert, um den Kunden in und um Emstek noch die letzten Besorgungen und Geschenke trotz Lockdown bringen zu können. Der Wagen sei gefragt gewesen, das Angebot besteht weiter.
Auch sonst war der HGV nicht untätig: Mit dem „Sommerlos“ oder „Progastro“ wurden – mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde – die Unternehmen und die Gastronomie unterstützt.
Ein Dank gelte der Gemeinde auch für die Genehmigung von vier verkaufsoffenen Sonntagen – nur der Mitte Oktober wurde kurzfristig abgesagt. Positiv angekommen ist die Plakataktion zum „Heimat Shoppen“, mit der die Emsteker auf die Wichtigkeit von regionalen Dienstleistungen, Handwerkern und des Einzelhandels aufmerksam gemacht wurden.
Und das scheint funktioniert zu haben. Frye-Büssing hat von vielen Kunden zu hören bekommen, dass sie jetzt erst recht in Emstek kaufen. „Das ist keine Trendwende, aber es gibt ein Problembewusstsein.“ Und vielleicht ist genau das auch eine Essenz aus der Krise.
