Emstek - Claus Frye-Büssing und Peter Kleene sind mächtig sauer. Der Emsteker Handels- und Gewerbeverein sieht angesichts des verlängerten Lockdowns ein Politik-Versagen und spricht von willkürlichen Maßnahmen, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Eine potenzielle Öffnung der Gastronomie wurde am Mittwoch bei den Bund-Länder-Beratungen gar nicht thematisiert, kritisiert der 1. HGV-Vorsitzende Frye-Büssing.
„Ich habe den Eindruck, dass die Schließung der Betriebe die Zahlen gar nicht runter bringt. Es ist mehr das Signal an die Bürger, das etwas im Busch ist und man zuhause bleiben sollte“, sagt der Emsteker Unternehmer. Der Tenor unter den Emsteker HGV-Mitgliedern: Der Gesundheitsschutz hat oberste Priorität, dürfe aber nicht zum „Totschlagargument“ werden und damit ganze Branchen in den Ruin treiben.
Verkauf „verlagert“
Weiterer Kritikpunkt: Die Discounter dürfen munter Blumen, Werkzeug und Klamotten verkaufen, der Einzelhandel muss zu bleiben. Das sei „ein Schlag ins Gesicht“ für alle Betriebe, die gerade um das Überleben kämpfen, so Kleene. Es könne nicht sein, dass sich dort Trauben von Menschen um die Waren bildeten und der Einzelhandel trotz Hygienekonzept und Abstandsregeln nicht öffnen darf. Es müsse eine Gleichbehandlung stattfinden.
Ruhig ist es in der Emsteker Geschäftswelt trotz der Schließungen nicht. Einige HGV-Mitglieder seien schon ausgetreten. Denn viele Unternehmen und Betriebe suchen gerade Einspar-Potenziale – da können solche Mitgliedsbeiträge zumindest ein paar Euro sparen. Unter dem Motto „Emstek brennt“ will der HGV auf die Situation des Einzelhandels und der Gastronomie aufmerksam machen. Es sollen am Sonntag, 21. Februar, von 18 bis 19 Uhr diverse Schwedenfeuer im Ort brennen. Außerdem wird die Fensterbeleuchtung ausgemacht.
„Wir wollen ein Zeichen setzen und sensibilisieren. Viele Kunden wissen um unsere Situation und leiden mit uns“, erläutert Peter Kleene. Es sei aber jedes Mal wieder ein „Tiefschlag“, wenn der Lockdown erneut verlängert werde und es keine Perspektiven gebe. „Die Frage ist ja auch, ob der Kunde wiederkommt, wenn wir öffnen dürfen. Die Ware bei uns ist bestellt, auch die Mitarbeiter warten, dass es weitergeht“, so Kleene.
Inzidenz erreichen
Auch wenn die Inzidenzzahlen und die Ansteckungen sinken, sieht der HGV die angepeilte Zielmarke einer 7-Tagesinzidenz von 35 noch nicht am 7. März, der aktuell als neuer Stichtag gilt. „Dann reden wir eher von Ostern“, fürchtet Frye-Büssing. Und wenn das Impfen nicht bald Fahrt aufnehme, würden im kommenden Herbst die Läden wieder geschlossen. Denn dies habe sich dann ja schon als „probates“ Mittel erwiesen, fürchtet der Emsteker.
Aktuell sei der Impfstoff zwar noch knapp, wenn diese Knappheit aber überwunden sei, müsse alles getan werden, um möglichst schnell zu impfen. „Eigentlich müssten wir dann Tag und Nacht impfen. Auch Hausärzte und Apotheker müssen Impfungen geben dürfen“, so der HGV-Vorsitzende. Es müsse unbedingt vermieden werden, dass im Herbst wieder geschlossen wird, weil zu langsam geimpft wurde.
Schließungen müssten das allerletzte Mittel zur Bekämpfung der Pandemie sein. Es brauche zielgenaue Maßnahmen statt „einfacher“ Schließungen. Darauf soll „Emstek brennt“ aufmerksam machen.
