Emstek - Ein Anfang hin zur digitalen Schule ist getan – mehr aber auch nicht. Darin sind sich wohl alle am Dienstagmorgen in der Grundschule Emstek einig – die Verwaltung, Ulrich Berns von der IT-Firma Peter Kenkel und der Emsteker Schulleiter Peter Boog. Bürgermeister Michael Fischer hatte eingeladen, um die Ausstattung der vier Grundschulen im Gemeindegebiet Emstek mit interaktiven Tafeln vorzustellen.
„Das Ende der Kreidezeit ist damit vorbei“, so Fischer. Aus dem Digitalpakt des Landes stehen der Gemeinde knapp 460 000 Euro zur Verfügung, 222 000 Euro wurden bereits abgerufen, so Fischer. So gibt es interaktive Tafeln in allen Grundschulen, 26 Boards wurden bei der Firma Peter Kenkel mit Sitz in Holdorf geordert. Außerdem habe man W-Lan-Netze an allen Schulen eingerichtet, berichtet der Erste Gemeinderat Reiner kl. Holthaus. „Zusammen mit dem Glasfaser-Ausbau haben wir an den Schulen jetzt genug Dampf auf der Leitung“, so kl. Holthaus.
Mehr Möglichkeiten
Damit sei es aber nicht getan, wurde im Gespräch mit Grundschulleiter Peter Boog schnell deutlich. So würde es beispielsweise an passenden Programmen für die Tafeln fehlen, auch seien die aktuellen Schulbücher noch gar nicht für den digitalen Unterricht konzipiert. „Aktuell können wir die Buchseiten auf der Tafel zeigen“, sagt der Pädagoge zum aktuellen „Zusatznutzen“. „Die Displays können eine ganze Menge mehr, als das, für was sie genutzt werden“, ist auch die Einschätzung von Ulrich Berns, Mitglied der Geschäftsleitung bei Peter Kenkel.
Auf den Stundenplan
Komplizierter werde die Digitalisierung auch dadurch, dass jede Schule ihr eigenes Digitalisierungskonzept schreiben müsse, sagt Berns. Dem pflichtete Schulleiter Boog bei. An der Grundschule Emstek erhalten die Schüler Unterricht im Umgang mit Computern in Arbeitsgemeinschaften – allerdings dann auch nicht flächendeckend. „Den Kindern muss auch in der Schule der Umgang mit den Geräten beigebracht werden“, findet Boog.
Das gelte auch fürs Homeschooling. Das sei in der Coronakrise plötzlich zum Thema geworden, ohne richtig vorbereitet zu sein. „Die Schere zwischen den Kindern ist größer geworden“, haben Boog und seine Kollegen beobachtet. Denn nicht in jedem Haushalt hätten ausreichend Laptops oder Computer zur Verfügung gestanden. Manchmal fehle es noch an der ausreichenden Internetverbindung, hat auch Dirk Vaske, Vorsitzender des Schulausschusses, bei seiner Arbeit im Homeoffice beobachtet. Und dann müssen auch noch die Eltern affin sein und ihrem Nachwuchs bei den digitalen Geräten helfen können.
Gleiche Bedingungen
„Die Digitalisierung in den Schulen muss wachsen. Wenn sie so aus dem Ärmel geschüttelt wird, klappt es nicht“, meint Erster Gemeinderat kl. Holthaus. Seiner Meinung nach kann die digitale Schule nur dann funktionieren, wenn gleichwertige Endgeräte für die Schüler zur Verfügung stehen und die Voraussetzungen – sprich gutes Internet – in jedem Haushalt vorhanden sind.
