Emstek/Cloppenburg/Kremmen - Der Landkreis Cloppenburg wird ein Verfahren gegen einen Transportunternehmer aus der Gemeinde Emstek einleiten, weil ein Fahrer der Firma am 20. August im Stau auf der A 24 in Richtung Hamburg bei Kremmen (Brandenburg) Hunderte Puten offenbar einem erheblichen Hitzestress ausgesetzt hat. Das erklärte Kreissprecher Frank Beumker jetzt auf Nachfrage. Die sich hinter dem Lkw befindliche Autofahrerin A. F. (voller Name der Redaktion bekannt) hatte den Vorgang bei der zuständigen Polizei gemeldet, u.a. beim Landkreis Cloppenburg zur Anzeige gebracht sowie einen entsprechenden Bericht und ein Video auch unserer Redaktion zur Verfügung gestellt.
Kreis bestätigt
In einem Anhörungsverfahren erhalte der Unternehmer nun Gelegenheit zur Stellungnahme, so Beumker weiter. Der Anzeigenerstatterin sei bereits am 21. August vom Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Cloppenburg per E-Mail geantwortet worden. Ihr habe man bestätigt, dass ein Transport in der heißen Zeit des Tages nicht erfolgen sollte. Die Transportunternehmen würden – so Beumker weiter – jedes Jahr aufs Neue wieder vom Kreis auf die Problematik hingewiesen, dass bei hohen Außentemperaturen die Verladung und der Transport – u.a. von Geflügel – in die kühleren Stunden des Tages verlegt werden sollten. Auch ein rechtzeitiges Reagieren auf Staumeldungen und Abfahren an der nächsten Ausfahrt sollten selbstverständlich sein, das sei aber nicht immer zu realisieren.
Bei 29 Grad im Stau
Nach Angaben der Anzeigenstellerin hatte der Viehtransporter vor ihr bei 29 Grad im Stau gestanden. Vollbeladen mit lebenden Puten, welche sichtlich gelitten hätten. A. F. schrieb von einem „hechelnden Zustand“. Der Fahrer habe dann beschlossen, seine Pause auf dem Standstreifen in der prallen Sonne zu verbringen, ohne Rücksichtnahme auf die Tiere. „Warum gibt es in diesen Fällen keine Ausnahmegenehmigung, dass der Fahrer bis zur nächsten Abfahrt fahren und dann im Schatten parken darf?“, fragt sich A. F. Oder dass die Polizei diesen Transport von der Autobahn lotse. „Eine dritte Option wäre, wenn Stau angesagt ist, die Abfahrt vorher runterzufahren und im Schatten zu parken.“ Die Tiere hätten über Stunden nichts zu trinken bekommen, und im Transporter selbst habe sich bei den am 20. August herrschenden Außentemperaturen die Luft auf weit über 40 Grad erhitzt.
Vor dem Hintergrund der Rettung von Menschen nach einem Unfall durch die Rettungsdienste, sei die Idee von Frau F., den Transporter durch die Polizei aus dem Stau herauszuleiten, vom Landkreis Cloppenburg nicht zu beurteilen, reagierte Kreissprecher Beumker zurückhaltend auf die Vorschläge.
