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Energiekrise durch Ukraine-Krieg Friesoyther Pizzabäcker reagieren auf Preisanstieg bei Lebensmitteln

Leon Werth
Mit großer Skepsis blickt Osman Gökalp auf das zur Neige gehende Speiseöl: Auch Mehl hat er nur noch für drei Tage.

Mit großer Skepsis blickt Osman Gökalp auf das zur Neige gehende Speiseöl: Auch Mehl hat er nur noch für drei Tage.

Leon Werth

Friesoythe - Friesoyther, die gerne einmal Pizza essen, haben sicherlich die Hinweisschilder einiger Gastronomen bemerkt, die aufgrund der Knappheit und Verteuerung von Lebensmitteln um Verständnis für eine leichte Preiserhöhung bitten.

Zwei dieser Gastronomen sind Omar Hussein und Quazim Quazel, Geschäftsführer der Pizzeria La Roma an der Barßeler Straße. „Früher hat das Kilo Mehl einmal 29 Cent gekostet, dann war über Jahre hinweg 45 Cent der Standard, jetzt liegt der Preis bei 1 bis 1,20 Euro“, berichtet Hussein. „Wir mussten den Preis jeder Speise um 50 Cent erhöhen. Bald kommt auch die neue Karte.“

Mehrere Ursachen

Die Knappheit und Verteuerung von Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Sonnenblumenöl hat gleich mehrere Ursachen. Zum einen steigen aufgrund des russisch-ukrainischen Krieges die Kraftstoffpreise und damit auch die Lieferkosten. Zum anderen verschwinden Sonnenblumenöl und Weizenmehl aus den Supermarkt-Regalen, da die Ukraine als eine der Hauptlieferantinnen ausfällt, und viele Kunden tätigen Hamsterkäufe. Auch aufgrund der hohen Nachfrage steigen die Produktkosten.

Die Zutaten für ihre Speisen beziehen Omar Hussein und Quazim Quazel von Großhändlern in Cloppenburg und Vechta. Nicht nur Mehl und Öl seien teurer geworden, auch der Preis für das Kebap-Fleisch sei aufgrund der höheren Energiekosten gestiegen, erzählt Hussein. Bis jetzt sei das Restaurant aber gut besucht.

Besorgt über die hohen Öl- und Mehlpreise ist auch Omar Hussein von der Pizzeria La Roma.

Besorgt über die hohen Öl- und Mehlpreise ist auch Omar Hussein von der Pizzeria La Roma.

Leon Werth

Vollstes Verständnis

Gerade bezahlt Malergeselle Daniel Panzlaff sein Mittagessen. Er hat vollstes Verständnis für die Preiserhöhung: „Irgendwie ist es ja überall das Gleiche.“ Auch im Malerhandwerk gebe es derzeit Lieferschwierigkeiten und die steigenden Kraftstoffpreise machen natürlich auch Fahrten mit den Dienstwagen teurer.

„Wir müssen abwarten“, sagt Osman Gökalp, der mit seiner Familie den Antep Grill an der Kirchstraße betreibt. Mehl hat er nur noch für drei Tage. Neues hat er bei Großhändlern in Papenburg und Vechta bestellt: „Bis jetzt habe ich noch keine Rückmeldung bekommen.“ Zuletzt habe das Kilo Mehl 1 Euro gekostet, im Supermarkt 80 Cent: „Aber da heißt es: Jeder Kunde nur ein Paket“, erzählt Gökalp. Noch höher liegen die Preise für Speiseöl: „4 Euro pro Liter, das ist schon sehr, sehr teuer.“

Für drei Döner-Spezialitäten hat Osman Gökalp die Preise erhöht. Bevor er aber neue Speisekarten drucken lasse, warte er lieber noch ab. Einige seiner Kunden würden sich beschweren. Doch 80 Prozent hätten Verständnis, zumal sie privat von der Knappheit betroffen seien.

Noch moderate Preise

„Ich schaue bei jedem Einkauf nach Mehl. Seit zwei Monaten haben wir keins mehr im Haus“, berichtet ein Kunde. Mit seinen drei Kindern backe er schon gerne mal Kuchen. „Auch im Großmarkt sieht man nur leere Regale“, so ein weiterer Kunde, „ich kaufe gerade nur Fertigprodukte oder esse hier.“ Gökalp erzählt, dass sein Sohn in Bremen gewesen sei: „Da verkaufen manche ihren Döner schon für 7 Euro.“ Sein Kebap kostet aktuell 4 Euro. Schülerinnen und Schülern verkaufe er bis 14 Uhr weiterhin den Döner für 2,50 Euro. Daran verdiene er allerdings nichts mehr.

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