Erst im Frühjahr hat der Bürgerschützenverein Bösel mit einer Stimme Mehrheit auch Frauen als Anwärterinnen zu Königswürde zugelassen. Helga Wienöbst hat sich gleich beim ersten Königsschießen durchgesetzt und wird somit am kommenden Wochenende Bösels erste Schützenkönigin. Zum König an ihrer Seite hat sie ihren Mann Günter Wienöbst gewählt, der vor 25 Jahren das Königsschießen für sich entschieden hatte. Ein Gespräch mit der künftigen Böseler Regentin und ihrem König.

Wie waren die Reaktionen auf den Titelgewinn – im Verein und außerhalb?

Helga WienöbstAn dem Tag und im Nachhinein immer positiv. Alle haben mir zugesprochen und mir gesagt, dass sie das toll finden. Ob es in der Familie, im Freundeskreis oder beim Bäcker war. Es war ein gutes Gefühl.

Wie kam es zum Plan, als Schützenkönigin anzutreten?

Helga WienöbstWir treten jedes Jahr an zum Schützenfest. Das ist mit in die Wiege gelegt. Unsere Kinder machen das auch schon, wir gehen alle hin. Das gehört dazu.

Aber Sie wollten dieses Mal gewinnen?

Helga WienöbstJa, ich hatte mir das Ziel gesetzt, eine Schützenschnur zu schießen. Ich habe leider keine Schnur gekriegt, ich habe es getoppt. Ich habe dann die Königswürde geschossen. Es waren schon zwei Anwärter da, die hatten 18 Punkte. Da habe ich gedacht: Wenn du eine Schnur willst, musst du das halten. Das habe ich versucht zu schießen und überschossen. Dann waren es 19 Punkte.

Wie sind Frauen beim Schießen? Sind die genauso gut wie Männer?

Helga WienöbstHier in Bösel sind sie gleichgestellt und haben auch alle die gleiche Motivation, vielleicht sogar ein bisschen mehr Ehrgeiz, ein Ergebnis zu erzielen. Es ist ein Miteinander, das passt einfach. Wir sind auch gute Teams. Wir haben ja nicht nur reine Männer- und Damengruppen, das ist gemischt. Das passt.

Sind die Stereotype und die Formen – zum Beispiel der Prinzgemahl zur Schützenkönigin – veraltet?

Helga WienöbstJa.

Die Regentin privat

Bösels erste Schützenkönigin Helga Wienöbst ist 55 Jahre alt. Sie arbeitet als Pharmazeutisch Technische Assistentin (PTA) in einer Apotheke und ist außerdem Landwirtin auf dem Hof ihres Mannes in Glaßdorf. Als wichtigstes Hobby bezeichnet das Mitglied der VI. Kompanie des Bürgerschützenvereins Bösel ihre Enkelkinder.

Mit fünf weiteren Frauen bildet Wienöbst eine Damen-Schießgruppe der Bürgerschützen, die auch an Wettbewerben anderer Schützenvereine teilnimmt.

Aktiv ist Wienöbst außerdem im Vorstand der Landfrauen, sie spielt Doppelkopf, gärtnert und hat gerade mit dem Töpfern angefangen.

Günter WienöbstGrundsätzlich schon. Bei uns ist es so: Wenn einer König wird, hat er automatisch eine Königin. Wenn die Königin die Ehre erlangt, ist es ja nicht mehr als Recht, wenn ihr Mann auch ihr König wird. Denn wir haben auch Nebenkönige, die auch als „Nebenkönig“ betitelt werden und nicht als „Prinz“.

Wie haben Sie das jetzt gelöst? Ist ihr Mann Ihr König?

Helga WienöbstWir haben es im Verein nicht durchbekommen. Aber ich werde ihn immer meinen König nennen. Ich werde kein anderes Wort in den Mund nehmen. Das ziehe ich durch.

Günter WienöbstEs ist ja auch schwierig. Auch in Zukunft wäre es schöner, wenn die Männer gleichgestellt König sind.

Das heißt, da ist noch ein Antrag fällig bei der nächsten Jahreshauptversammlung?

Helga WienöbstDa wird was kommen. Da muss noch ein bisschen nachgedacht werden. Wir sind jetzt die ersten. Wir werden das hinkriegen. Aber es gibt viele Fragen, wie einiges geändert werden kann, damit es für alle gut ist.

Hat sich in den vergangenen 25 Jahren etwas verändert am Schützenfest feiern?

Helga WienöbstAußer das wir älter geworden sind und nicht mehr auf den Tischen tanzen, sag ich mal, hat sich von der Gemeinschaft nichts verändert. Wir machen immer noch unsere Feten. Es ist etwas anders, aber es ist intensiver und gemeinschaftlicher und schöner, dieses Miteinander. Es ist wirklich eine tolle Gemeinschaft.

Die Frauen haben was aufzuholen. Stehen die jetzt alle Schlange in Bösel und wollen in den kommenden Jahren Königin werden?

Helga WienöbstDa wird sich auf jeden Fall was tun in Bösel. Ich werde bestimmt noch viele Nachfolgerinnen bekommen. Das wird sich im Laufe der Jahre jetzt einspielen. Nicht nächstes Jahr sofort, das denke ich nicht. Aber da kommt was. Wir haben genug Frauen in den Startlöchern, die das möchten.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland