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nordwest-zeitung

Interview mit gebürtigem Essener Warum Amerika gespalten ist – und warum sich im Wahlkampf Gräben auftun

Essen/Florida -

Viele Deutsche halten Donald Trump für einen Spinner – Sie auch?

Friedel Meyer: Ich denke, dass er kein Staatsmann ist und nicht für die politische Bühne geeignet ist. Und die politischen Entscheidungen, die er getroffen hat, sind definitiv nicht durchdacht.

Am Dienstag wird gewählt – können Sie die Stimmung beschreiben?

Die Stimmung ist sehr gespalten. Es gibt zwei „Camps“ – die Demokraten und die Republikaner. Und die Meinung der Partei wird ganz stark vertreten. Für die Partei wird gekämpft. Auf der Straße demonstrieren Menschen. Teilweise kommt es zu Auseinandersetzungen. Amerika ist zur Zeit ein sehr gespaltenes Land.

War die Stimmung im vergangenen Wahlkampf auch so?

Ich glaube dieses Mal ist es noch intensiver. Denn beim ersten Mal hat niemand gedacht, dass Trump gewählt werden würde. Und durch seine Politik über die letzten vier Jahre sehen viele Leute, welchen Einfluss er genommen hat und verstehen seine politische Richtung. Viele Leute möchten deswegen jetzt einen Wechsel. Darin, wie das Land geführt wird.

Was waren die Hauptthemen im Wahlkampf?

Definitiv Corona, gerade aktuell haben wir Höchstwerte von Infektionen. Der „Black lives matter“-Protest ist auch durch das ganze Land gegangen und immer noch aktiv.

Welches Fazit würden Sie unter die Trump-Präsidenschaft ziehen?

Durch seine Steuerpolitik hat er die USA noch vor der Corona-Krise weiter in die Schulden getrieben, trotz boomender Wirtschaft. Er hat mit seiner Steuerpolitik nur Unternehmen geholfen. Und nicht dem Bürger, so wie er erst versprochen hatte. Durch den Handelskrieg mit China hat er es amerikanischen Firmen schwerer gemacht. Die Unternehmen mussten sich komplett neu positionieren. Viele Produktionsstätten waren in China. Durch die hohen Abgaben mussten diese verlagert werden. Er wollte mehr Unternehmen in die USA bringen – das hat er nicht geschafft. Ich glaube, durch seine teilweise rassistischen und provokanten Aussagen hat er das Land mehr geteilt, als je zuvor. Mit seiner Einwanderungspolitik hat er Familien getrennt. Aktuell gibt es einen Stopp von neuen Visa. Das verhindert, das Leute, die einen Anspruch haben in die USA zu reisen, hierhin reisen können. Er hat eine Menge negativen Einfluss genommen.

Wie hat sich Biden im Wahlkampf geschlagen?

Meiner Meinung nach hat er ein Wahlprogramm mit wichtigen Veränderungen. Zum Beispiel im Bereich der Erneuerbaren Energien, was Trump überhaupt nicht unterstützt. Biden möchte auch an der Krankenversorgung arbeiten. Er hat ein gutes Programm für die Steuern. Er möchte die Steuern für Unternehmen wieder auf das gleiche Niveau wie vor der Trump-Zeit bringen, um das Defizit im Haushalt auszugleichen. Ich denke, er ist eine wirkliche Alternative. Eine Kritik an Biden ist, dass er alt ist – so wie Trump auch. Und eine Kritik ist auch, dass er nicht dieses frische, neue Blut in die politische Landschaft bringen kann.

Ihre Heimat Florida gehört ja auch zu den Swing States. Wie wird die Wahl ausgehen?

In Florida wird es ein enges Rennen. Wenn ich bei mir in die Nachbarschaft schaue, sehe ich in den Gärten 50 Prozent Trump- und 50 Prozent Biden-Schilder. Bei der Wahl ist es ja nicht so, dass der Präsident wird, der die meisten Stimmen bekommt. Die Umfragen zeigen, dass Biden vorne ist. Das war 2016 bei Hillary Clinton das gleiche, und doch hat Trump gewonnen. Von daher ist es schwierig zu sagen, wer das Rennen macht. Aktuell haben mehr Leute Briefwahl gemacht, als je zuvor. Ob das einen Vorteil für Biden bringt, mal schauen. Denn Trump hat gesagt, dass er die Briefwahl nicht unterstützt.

Wird Trump das Ergebnis akzeptieren, sollte er nicht gewählt werden?

Ich denke, dass er mit allen Mittel versuchen wird, die Wahl nicht zu akzeptieren, sollte er nicht gewählt werden. Wenn er verliert, wird es zu Ausschreitungen kommen. Aber er hat am Ende des Tages keine andere Wahl, als das Ergebnis zu akzeptieren.

Welche von Trumps Entscheidungen sollte schnell zurückgenommen werden?

Ich würde die Steuern ändern, auch im Bezug auf China. Ich würde von „Obama-Care“ wieder einführen, dass die Amerikaner krankenversichert sein müssen. Denn im Land sieht man, dass viele Leute nicht genug Geld haben und sich dann nicht krankenversichern. Und ich würde die Einwanderungspolitik wieder ändern, so dass Einreisen mit Visa wieder erlaubt werden. Das läuft aber im Dezember sowieso aus, das war eine Corona-Maßnahme. Aber vielleicht verlängert Trump es ja bei seiner Wiederwahl.

Was wäre ein Horror-Wahlversprechen, das Trump umsetzen möchte?

Er will die Öl-Industrie weiter unterstützen. Er hat angekündigt, dass er Dinge aus Obama Care weiter abschaffen und verändern möchte. Es ist nicht so wirklich klar, was er vorhat. Wenn er morgens aufsteht, wird er eine neue Entscheidung treffen.

Zur Person

Friedel Meyer stammt aus Essen (Landkreis Cloppenburg). Vor fünf Jahren zog es den Ingenieur arbeitsbedingt von Dänemark nach Orlando (Florida). Mittlerweile lebt der 32-Jährige in Saint Petersburg. Seine Frau Ana hat den amerikanischen und den brasilianischen Pass. Das Paar hat eine acht Monate alte Tochter, Stella.

Mareike Fangmann
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