Essen - Mindestens 12,50 Euro Stundenlohn für Mitarbeiter in deutschen Schlachthöfen flächendeckend, nach einem halben Jahr 14 Euro, für Fachkräfte 17 Euro: Mit dieser Forderung ist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der zweiten Tarifverhandlung mit den Arbeitgebern der Fleischindustrie am 16. März gescheitert. Während einer Aktionswoche machen daher die Gewerkschafter, die von der Beratungsstelle „Faire Mobilität“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unterstützt werden, auf ihre Forderungen aufmerksam. Am Dienstagmorgen standen sie, mit Informationszetteln in Sprachen wie Rumänisch, Ungarisch oder Polnisch bewaffnet, vor den Werkstoren von Danish Crown in Essen.
Infos in Heimatsprache
Die Mitarbeiter des Schlachthofs über die Arbeit der Gewerkschaften und ihre Forderungen aufzuklären, gebe es diese in ihren Heimatländern in dieser Form doch häufig nicht – darum gehe es vor allem, betonte Piotr Mazurek von der Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Oldenburg. Der Vorteil der Mitarbeiter der DGB-Abteilung: Sie könnten die Schlachthof-Mitarbeiter in ihrer Muttersprache ansprechen.
Die Arbeitgeber der Deutschen Fleischindustrie haben ihr Angebot von zehn Euro pro Stunde ab dem 1. Juli auf den Tisch gelegt, erst 2024 soll der Stundenlohn auf 12 Euro ansteigen. Für die NGG deutlich zu wenig, machte NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer vor dem Werkstor deutlich. „Selbst in den meisten Haustarifverträgen liegt der Einstiegslohn über dem Arbeitgeberangebot.“ Die NGG kündigte Warnstreiks an, falls sich die Arbeitgeberseite nicht bewege. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 29. März angekündigt. Nach Ostern könnten dann die Bänder in den Schlachthöfen stillstehen. Die Bereitschaft, die Arbeit ruhen zu lassen, „ist schon da“, gab sich Brümmer zuversichtlich.
„Das System ist komplett auf Lohndumping ausgerichtet“, kritisierte Brümmer. „Die körperlich harte Arbeit der Mitarbeiter wird nicht wertgeschätzt“, monierte Mazurek.
Bei den Forderungen nach mehr Geld wollen die Gewerkschaften aber nicht stehenbleiben: Im nächsten Schritt müsse über Arbeitszeiten, Urlaub und Urlaubsgeld gesprochen werden, so Brümmer weiter.
Kontrollgesetz
Zwar sei mit dem Verbot der Werkvertragsarbeit zum 1. Januar ein wichtiger Schritt getan. Aber die Leiharbeit, die zum Abbau von Auftragsspitzen weiterhin möglich bleiben soll, müsse an einen Tarifvertrag gekoppelt werden, forderte Brümmer.
Weitere Infoveranstaltungen sind für die nächsten Tage angekündigt: an diesem Mittwoch von 11 bis 16 Uhr bei Vion in Emstek; am Donnerstag bei Danish Crown in Oldenburg und am Freitag (12.30 bis 15 Uhr) bei Plukon in Visbek.
