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Frühere Falkenbergerin Eva-Maria Ameskamp verfasst Dissertation Vom armen Pfarrer bis zum reichen Amtsbruder

Eva-Maria Ameskamp hat ihre Dissertation verfasst.

Eva-Maria Ameskamp hat ihre Dissertation verfasst.

Privat

Falkenberg/Vechta - Das Leben, Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften und Sterben im katholischen Pfarrhaus im Dekanat Cloppenburg vom Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ist Thema einer Dissertationsschrift, die jetzt im Aschendorff-Verlag erschienen ist. Unter dem Titel „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ beschäftigt sich Eva-Maria Ameskamp mit dem alltäglichen Leben der Priester im Cloppenburger Raum.

Ganz eigene Gruppe

Katholische Pfarrer bildeten in der ländlichen Gesellschaft des Niederstifts Münster eine ganz eigene Gruppe, so Ameskamp. Sie waren in den Dörfern und Kleinstädten ein Teil der Honoratiorenschicht und leisteten Seelsorge für ihre Pfarrmitglieder. Zugleich bewirtschafteten sie ihre Pfarrpfründe und waren so Teil der bäuerlichen Ökonomie. Mit diesen beiden Polen in der Amtsausübung lebte der arme Pfarrer ebenso wie sein reicher Amtsbruder. Sie alle versuchten je nach ihren finanziellen Möglichkeiten, einen gewissen priesterlichen Standard zu erfüllen und ihr Standesbewusstsein nach außen zu repräsentieren.

Forschungslücke

Eva-Maria Ameskamp wuchs in Falkenberg in der Gemeinde Garrel auf und lebt heute in Vechta. Nach dem Studium der Volkskunde/ Europäischen Ethnologie und der Geschichte begann sie die Promotion in Münster bei Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann. Nach dem Tod der Betreuerin wurde die Arbeit, die der historischen Volkskunde verpflichtet ist, in Saarbrücken bei Prof. Dr. Barbara Krug-Richter fertiggestellt. Sie entstand neben Ameskamps beruflicher Tätigkeit beim Bürger- und Geschichtsverein in Wildeshausen. Heute ist die Autorin außerdem in der Heimatbibliothek für das Oldenburger Münsterland in Vechta tätig und bearbeitet freiberuflich Aufträge für Transkriptionen, Archivarbeiten und im historisch-volkskundlichen Bereich.

Nur wenig Literatur über das katholische Pfarrhaus gibt es bislang, damit füllt die Arbeit eine Forschungslücke. Sie stellt außerdem einen wichtigen Beitrag zur regionalen Geschichte dar und bietet für jede einzelne Gemeinde im damaligen Dekanat Cloppenburg viele neue Erkenntnisse. Das Buch (ISBN 978-3-402-15086-3) umfasst 643 Seiten und ist für 48 Euro im Buchhandel und online beim Verlag Aschendorff erhältlich.

Mit Hilfe von Nachlassakten wird in der Arbeit der Frage nach dem alltäglichen Leben der Pfarrer nachgegangen. Aus welchen sozialen Verhältnissen stammten die Pfarrer und welche Bedeutung hatten Familie und Verwandtschaft? Welche Rolle spielten Nachbarpfarrer und geistliche Netzwerke? Wie kleideten sie sich? Welche Schwerpunkte legten sie in ihren Bibliotheken? Wie sah ihr Umgang mit den Menschen aus – mit den Honoratioren, aber auch mit Bauern, Heuerleuten und seinem Hauspersonal? Wie richteten sie ihre Wohnung ein und mit welchen Mitteln gestalteten sie ihr Leben? Lässt sich ein Unterschied zwischen einer Pfarrökonomie und einem Bauernhof feststellen? Wie ging der Pfarrer mit Krankheit und mit dem eigenen Tod um? Und wie gestalteten sich seine Beerdigung und die Nachlassverwaltung?

Reiche Pfarrpfründe

Dabei standen Pfarrer reicher Pfarrpfründen wie Altenoythe oder Cloppenburg ihren ärmeren Nachbarn zum Beispiel im Saterland oder in Markhausen gegenüber. Hinzu kamen persönliche Fähigkeiten und Präferenzen, die für jeden einzelnen Pfarrer die finanziellen Möglichkeiten beeinflussten. Ein landwirtschaftlich und ökonomisch versierter Pfarrer wie Alexander Poyss in einer reich mit Ackerland ausgestatteten Pfarrei wie Altenoythe konnte trotz der landwirtschaftlichen Prägung seiner Pfarrei ein standesgemäßes Leben führen und ein stattliches Vermögen hinterlassen. Dagegen hinterließ Pfarrer Gerlach Düvel in Barßel hohe Schulden, obwohl die Pfarrei nicht viel weniger abwarf als Altenoythe. Der aus einer bekannten Beamten- und Honoratiorenfamilie stammende Düvel war wohl weniger wirtschaftlich gebildet und an einen höheren Lebensstandard gewöhnt. Jedenfalls lebte er weit über seinen finanziellen Verhältnissen. Seine umfangreiche Nachlassakte erlaubt einen tiefen Einblick in sein Leben – inklusive seiner Saatkäufe für den Pfarrgarten.

Konflikte

Ein spannendes Thema sind zudem Pfarrer, die innerhalb ihrer Gemeinde in Konflikte gerieten. Beispielsweise stritt sich der prozessfreudige Pfarrer Karl Gottfried Frye in Lindern unter anderen mit dem örtlichen Notar Hagen um die Fischereirechte im Teich nahe der Pastorat. Dies führte zu handgreiflichen Auseinandersetzungen und einer zeitweisen Exkommunikation des Notars Hagen. In Strücklingen ergriff der Pfarrer Hamm 1748 sogar nach massiven Angriffen auf ihn und seine Pastorat die Flucht aus dem Saterland. Und in Markhausen brannte kurze Zeit später des Pfarrers Schafstall ab, nachdem die Gemeinde verpflichtet wurde, ihm ein ordentliches Pfarrhaus zu bauen.

Während Konflikte in den Akten relativ gut greifbar sind, lässt sich ein friedliches Zusammenleben weniger gut belegen. Zahlreiche Legate der Pfarrer für seine Pfarrei, die Armen oder Schulen lassen jedoch in vielen Fällen auf ein gutes Zusammenleben schließen.

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