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Elisabethschule Friesoythe während Corona „Keiner hat an Förderschulen gedacht“

Friesoythe/Nordkreis - Das Datum 16. März 2020 hat sich bei Schulleiterin Ilona Stiefs eingebrannt. Ab diesem Tag musste die Elisabethschule in Friesoythe wie alle anderen Schulen in Niedersachsen wegen der beginnenden Corona-Pandemie schließen. „Das hat uns kalt erwischt“, sagt Stiefs heute. Insbesondere beim Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ ist das Förderzentrum mit seinen teils schwerstbehinderten Schülerinnen und Schülern durch die Pandemie vor ganz andere Hürden gestellt als Regelschulen.

Distanzlernen

Die Schulschließungen ab Montag, 16. März 2020, wurden am Freitag zuvor bekannt, erinnert sich Stiefs. In kürzester Zeit habe man Taxen und Kleinbusse für den Schülertransport abbestellen, Therapiestunden absagen und die Eltern informieren müssen. In den folgenden Wochen hätten die Lehrkräfte telefonisch zu den Familien Kontakt gehalten und Lernpakete nach Hause gebracht. Da der gesamte Nordkreis Einzugsgebiet ist, seien dabei einige Kilometer zusammen gekommen.

Vier Wochen – bis Ende der Osterferien – blieb die Schule geschlossen. Danach konnten die Schüler nach und nach wiederkommen und mussten seitdem nicht mehr ins Distanzlernen zurück. „Das ist auch gut so“, sagt Stiefs. Denn: Im Unterricht werde häufig mit haptischem Material gearbeitet. „Das funktioniert nicht digital.“ Außerdem tue den Schülern die Tagesstruktur unheimlich gut.

Vergessene Schulen

Anfangs wurden in den Corona-Verordnungen Förderschulen nicht explizit genannt. „Wir merkten, dass keiner in Richtung Förderschule denkt“, sagt Stiefs. Inzwischen hätten die Behörden erkannt, dass „eine Förderschule etwas anderes ist und die Maßnahmen manchmal nicht praktikabel sind.“

Ein Beispiel: Schnelltests sollen in der Schule durchgeführt werden. Stiefs spielt es gedanklich durch: Bevor man sich versehe, habe der erste Schüler das Wattestäbchen dem nächsten ins Ohr gesteckt und ein anderer die Testflüssigkeit getrunken. Sie habe daher darauf hingewiesen, dass die Schnelltests in den Klassen nicht durchführbar sind. Die Tests finden jetzt – wie bei Grundschulen – zuhause statt.

Hygienemaßnahmen

Die Schule habe zwei Vorteile, sagt Stiefs: kleine Klassen und große Räume – Mindestabstand sei kein Problem. Zudem habe man die Bring- und Abholzeit entzerrt. Die Kleinbusse fahren die Touren zwei Mal nacheinander und transportieren nun vier statt neun Kinder. „Das ist eine gute Sache, aber auch eine logistische Herausforderung.“

Die Schüler würden toll mit den Hygienemaßnahmen umgehen, sich gegenseitig unterstützen und versuchen, alles mitzumachen, sagt Stiefs. „Ich bin wirklich begeistert von unseren Schülern.“ Bislang scheint das Konzept aufzugehen: Es habe zwar einzelne Corona-Fälle gegeben, aber die seien nicht aus der Schule gekommen.

Manche Probleme bleiben. Therapie-Angebote seien nur eingeschränkt möglich, vor allem im Bereich der Ergotherapie. „Wir merken deutliche Rückschritte bei einzelnen Schülern.“ Auch im Alltag würden Berührungen und der direkte Kontakt fehlen. Für Stiefs ist das eine bittere Erfahrung: „Die Schüler bleiben emotional auf der Strecke.“

Marlis Stein
Marlis Stein Redaktion Westerstede
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