Friesoythe/Barßel/Saterland - Das Tabuthema Sterben und Tod von Kindern soll mit dem Tag der Kinderhospizarbeit (10. Februar) in Erinnerung gebracht werden. „In Deutschland sind jährlich mehr als 22 000 Kinder und Jugendliche von einer schwer lebensverkürzenden Erkrankung betroffen“, berichten Marlen Schmidt, Leiterin des ambulanten Hospizdienstes Friesoythe-Barßel-Saterland, und Miriam Tebben-Fastje, Koordinatorin für die Kinder- und Jugendhospizarbeit.
Schutz vor Infektion
Doch gerade in der Corona-Pandemie seien die Familien noch stärker belastet, berichten die Ehrenamtlichen, die ihnen beistehen. Das erkrankte Kind müsse vor einer Covid-19-Infektion geschützt werden. Deswegen isolierten sich die Familien und seien mit ihren Sorgen oft alleine.
Elisabeth Münzebrock aus Scharrel ist für ein Geschwisterkind eines betroffenen Kindes da. Um die Familien zu schützen, machen wir keine genaueren Angaben. „Sobald jemand in der Familie krank ist, ist das ein hoher Zeitfaktor“, sagt Münzebrock. Geschwisterkinder machten sich Sorgen, wollten ihre Eltern aber nicht zusätzlich mit ihren Problemen belasten. „Kinder sind sehr sensibel“, sagt die 62-Jährige. In Corona-Zeiten hält sie per Telefon oder über Postkarten Kontakt. Schule, Hobbys und Freunde sei eigentlich das Gegengewicht zur schwierigen Situation zuhause. Doch diese Normalität falle derzeit weg für die Geschwisterkinder, die sehr genau wüssten, wie gefährlich es wäre, wenn sie eine Infektion in die Familie brächten.
Einen jungen Erwachsenen, der nach einem schweren Unfall auf Intensivpflege angewiesen ist, betreut Silke Bührmann aus Neuscharrel. „Es ist mir wichtig für andere da zu sein. Ich kann nicht anders“, sagt die 49-Jährige, die auch mit Schulkindern in Projekttagen über Tod und Trauer spricht. Auch sie sieht die Isolation der Patienten und Familien, die die Corona-Pandemie bringt. „Jetzt gehen ihre Kinder verloren und wir dürfen die Eltern nicht unterstützen. Ich finde das furchtbar.“
Geimpft in die Familie
Als Stütze für eine ganze Familie mit einem schwerstbehinderten Kind ist Elisabeth Rosenboom aus Strücklingen Anlaufpunkt. Sie hat als Pflegekraft im Seniorenheim den Vorteil, dass sie bereits gegen das Corona-Virus geimpft ist. Sie kommt in die Familie, macht Hausaufgaben mit den Geschwisterkindern des kranken Kindes, spielt mit ihnen. Die Geschwister wüssten, dass das behinderte Geschwisterkind sehr krank und bald sterben könnte. „Wir sprechen über den Tod, auch lachend“, sagt die 58-Jährige, die auch eine außenstehende Anlaufstelle für die Mutter ist, die die Sorge um das kranke Kind 24 Stunden am Tag in Beschlag nimmt. „Manchmal ist das verdammt schwierig. Klar die anderen Kinder wollen auch Aufmerksamkeit. Ich merke wirklich die brauchen mich.“
