Friesoythe/Bösel - Im Januar erst hatte er die „Stadtmitte“ übernommen, dann kam Corona. Mitte März musste Timo Plenter seine Kneipe – die „Stadtmitte“ – in Friesoythe schon wieder schließen und hat seitdem keine Einnahmen. Manche Restaurants und Gaststätten konnten mit einem Lieferservice einen kleinen Teil der Verluste ausgleichen. Plenter hatte diese Möglichkeit nicht: Er schenkt nur Getränke aus, in der „Stadtmitte“ gibt es keine Speisen. Von den ab Montag für die Gastronomie in Niedersachsen vorgesehenen Lockerungen hat der 32-Jährige auch nichts: Restaurants, Gaststätten, Cafés und Biergärten dürfen öffnen, für Kneipen, Bars und Diskotheken gibt es auf lange Sicht nicht mal einen voraussichtlichen Stichtag.
Plenter sieht die Wiederöffnung von Kneipen ohnehin zwiespältig. „Ich würde die Kneipe liebend gern weiterführen. Die Leute, die kommen, haben Spaß, ich habe Spaß, aus Gästen sind Freunde geworden.“ Derzeit könne er nur hoffen. Doch selbst wenn er wieder öffnen dürfte, dann sicherlich nur unter Auflagen: Masken, Abstand – wie soll das funktionieren? „Das Flair einer Kneipe wäre weg“, fürchtet Plenter. Überhaupt: „Mit Alkohol neigen wir doch dazu, näher zusammenzurücken.“
Mit der Corona-Soforthilfe vom Land Niedersachsen konnte er bislang die laufenden Kosten für die „Stadtmitte“ decken. Ohne die zusätzliche Unterstützung vom Bund, die er vor Wochen beantragt hat, sieht er auf längere Sicht aber schwarz. „Dann werde ich darüber nachdenken müssen, das Gewerbe abzumelden.“ Verständnis hat er größtenteils dennoch für die Entscheidungen der Politik. Tauschen möchte er mit den Entscheidungsträgern nicht. „Gesundheit muss vor Wirtschaft kommen.“ Er möchte nicht verantworten müssen, dass sich in seiner Kneipe Menschen mit dem Virus anstecken.
Dass er als Kneipenwirt keinen Anhaltspunkt hat, wann er wieder öffnen könnte, frustriert ihn trotzdem. Da helfen auch die Soforthilfen von Land und Bund irgendwann nicht mehr weiter. Es könne ja nicht sein, dass es dem Laden gut gehe, den Betreibern aber nicht, sagt Plenter. Die privaten Lebenshaltungskosten decken die Soforthilfen nämlich nicht. Dafür muss er vorerst Arbeitslosengeld beziehen.
Heimathuus leidet weiter
Auch André Beier hat wenig Grund zur Freude, auch wenn er das „Heimathuus“ in Bösel ab Montag – unter Auflagen – wieder öffnen darf. „Für mich ändert sich nichts“, sagt er. Laut den Plänen der Landesregierung dürfen Gastronomiebetriebe vorerst nur zu 50 Prozent ausgelastet und unter Wahrung der Vorschriften zu Abstand und Kontaktbeschränkung öffnen. Sprich: Größere Feiern sind nicht möglich, auch keine Buffets. Das „Heimathuus“ lebt aber gerade davon: Saalbetrieb für Feste wie Hochzeiten, Geburtstage oder der Vatertagsfete, großes Frühstücksbuffet jeden Sonntag und Catering für große Feiern. Das alles fällt seit Mitte März flach. Feste und Bestellungen wurden abgesagt, die Kühlhäuser sind voll, vieles war bereits vorproduziert und wurde am Ende verschenkt.
Sterben auf Raten
„Wir haben so gut wie 100 Prozent Einbußen“, sagt Beier. Einige Mitarbeiter musste er entlassen, der Rest erhält Kurzarbeitergeld. Die Pläne zur vorsichtigen Öffnung der Gastronomie seien eine Lösung in großen Innenstädten oder an der Küste. „Dort ist mehr Durchlaufverkehr. Auf dem Land, wo die Gasthäuser eh schon vom Aussterben bedroht sind, ist das ein Sterben auf Raten.“ Beier geht davon aus, dass Familienfeiern frühestens Mitte Juni wieder möglich sind – und das ist noch optimistisch. „Ich denke, das, was ich anbiete, wird mit das Letzte sein, was wieder erlaubt wird.“ Überzeugt ist er aber: „Die ersten Feten werden dann umso besser sein.“
Das Problem nach einer langen Durststrecke ist für die Gastronomie aber der ausbleibende Nachholeffekt. „Das Bier, das ich bei der ausgefallenen Vatertagsfete nicht getrunken habe, trinke ich nicht später nach“, sagt Beier. Viele Betriebe, vermutet er, werden die Krise nicht überleben.
Seltener Optimismus
Ganz anders empfindet Jan Lange, Kneipenwirt aus Barßel, den Stillstand. Ihm kam die Schließung fast schon gelegen. „Pause“ war für den 50-Jährigen bis vor der Krise ein Fremdwort. Termine, unerledigte Büroarbeit, aufgeschobene Renovierungen – dafür hat er jetzt endlich Zeit. Und nicht nur er: „Früher musste man Wochen auf Rückmeldung warten. Jetzt standen die Handwerker einen Tag später vor der Tür. Corona hat das Leben ein Stück langsamer gemacht“, sagt der Kneipenwirt.
Weniger optimistisch ist Thorsten Bruns, Betreiber der Friesoyther Diskothek „Empire“. „Für uns zeichnet sich nicht im Geringsten ab, wann es weitergehen kann“, sagt Bruns. Die Ungewissheit beunruhige. Er respektiert die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, hofft aber, dass es für Diskotheken Wiederöffnungskonzepte für spätestens September gibt. Dann wären die Einrichtungen ein halbes Jahr geschlossen – „und da geht es ja ums wirtschaftliche Überleben, auch wenn wir vorher solide gearbeitet und Rücklagen geschaffen haben“, sagt er.
