Friesoythe - Auf dem Papier klingt der Runderlass des niedersächsischen Kultusministeriums nicht schlecht: Dieser regelt für Förderschulen ganz genau, wie viele Stunden einer Schule für Pädagogische Mitarbeiter (PM) zustehen. In der Regel sind das Erzieher/innen oder Heilerziehungspfleger/innen, die für die pädagogische Begleitung im Unterricht und für therapeutische Maßnahmen eingesetzt werden. Diese Kraft ist neben der Lehrkraft gerade im Bereich Geistige Entwicklung (GE) zwingend erforderlich und soll den Kindern und Jugendlichen eine bestmögliche Teilhabe am Unterricht ermöglichen. So viel zur Theorie.’
Das sagt der Elternrat
Die Realität ist an der Elisabethschule Friesoythe aber eine vollkommen andere. Die vom Land versprochenen Stellen gibt es längst nicht alle – sie stehen nur auf dem Papier. Konkret geht um ein Defizit von 236 Stunden pro Woche an Pädagogischen Mitarbeitern, die der Friesoyther Förderschule aktuell fehlen. „Der Bedarf an diesen Kräften ist da, doch wir kriegen sie nicht. Das ist nicht nachzuvollziehen“, sagte Arwid Romey, bis Montag noch Kreiselternratsvorsitzender, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Bereitstellung dieser Stellen sei ganz klar Aufgabe des Landes Niedersachsen. Das Kultusministerium und die Landesschulbehörde würden es aber nicht hinkriegen, den eigenen Erlass zu erfüllen. „Und die Leittragenden sind die Schüler, die es aufgrund ihrer Beeinträchtigungen eh schon schwer haben“, sagte Romey.
Die Fehlstunden haben auch zur Folge, dass der Nachmittagsunterricht eingeschränkt ist. Erst war er für den Bereich GE komplett gestrichen. Jetzt findet er an einem Tag in der Woche statt. „Dabei hat sich die angespannte Situation ja nicht geändert. So kann doch kein vernünftiger Unterricht und keine entsprechende Betreuung funktionieren“, sagte Ingo Schimmelpfenning als Elternratsvertreter und Beisitzer im Kreiselternrat. Er kritisiert vor allem das Kulturministerium, von dem es weder eine Rückmeldung noch Vorschläge gebe, wie das Problem mit den fehlenden Stunden zu lösen sei.
Das sagt die Behörde
Die Nordwest-Zeitung fragte bei der Landesschulbehörde nach, warum der Elisabethschule trotz Zusage durch den Erlass die Stunden nicht zur Verfügung gestellt werden können. Die Landesregierung habe es ermöglicht, den Bestand an Pädagogischen Mitarbeiter/innen zu erhöhen und den Beschäftigungsumfang für die einzelnen PM, soweit gewünscht, bis zu einer Vollbeschäftigung anzuheben, heißt es ganz allgemein. Dann folgt die Einschränkung: „Trotz der Anstrengungen in den vergangenen Jahren muss allerdings festgestellt werden, dass noch nicht genügend Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, um alle Schulen ausreichend mit pädagogischem Unterstützungspersonal zu versorgen.“ Um der Elisabethschule zusätzliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen, seien aber zusätzliche Lehrkräfte eingestellt worden. Nach Informationen unserer Redaktion soll es sich dabei um eine Quereinsteigerin, eine Grundschullehrerin und eine Lateinlehrkraft mit insgesamt 75 Stunden pro Wochen handeln. Diese dürfen aber keine Aufgaben wie Pädagogische Mitarbeiter übernehmen, sondern sind in erster Linie für die Vermittlung von Lerninhalten zuständig. Eine richtige Lösung, um dem Defizit an dringend benötigtem Personal zu begegnen, scheint die Behörde nicht zu haben. Außer: „Derzeit prüfen wir die Einsatz- bzw. Stundenpläne, um gegebenenfalls noch weitere Möglichkeiten zu finden, um den Unterricht und die Betreuung der Schülerinnen und Schüler weiter zu verbessern.“
