Friesoythe - Es sind jetzt fast genau 75 Jahre. Seit dieser Zeit herrscht in der Bundesrepublik Deutschland und auch in Friesoythe Frieden. Großeltern, Eltern und Kinder, die nach 1945 geboren sind, haben in Friesoythe keine Kriege, keine verheerenden Brände und auch keine großen Krankheitswellen mehr erlebt. Letzteres stimmt seit diesem Jahr aber nicht mehr so ganz. Die aktuelle Corona-Krise hat auch dem gemeinen Friesoyther wieder einmal klar gemacht, dass auch in der modernen Zeit niemand vor großen Katastrophen ganz sicher ist.
Dabei mussten die Friesoyther im Laufe der Jahrhunderte schon viele Katastrophen überstehen. Drei von diesen großen Katastrophen sind in einem Kirchenfenster in der katholischen St.-Marien-Kirche in Friesoythe dargestellt. Die Pest-Welle von 1567, der vernichtende Stadtbrand von 1877 und die totale Zerstörung von Friesoythe im Zweiten Weltkrieg 1945. Die NWZ hat sich die drei Katastrophen mal etwas genauer angeschaut.
Die Pest von 1567
Seit der aktuellen Krise durch die Ausbreitung des Corona-Virus weiß nun fast weltweit jeder Mensch, was das Wort „Pandemie“ bedeutet – eine Seuche, die weltweit um sich greift. „Die“ Seuche des Mittelalters und der Anfangsphase der Frühen Neuzeit kennt ebenfalls jeder – die Pest. Noch heute ist die Krankheit, die durch Ratten und einen Floh auf den Menschen übertragen wurde, in aller Munde. Das Sprichwort „das riecht ja wie die Pest“ hat wohl jeder schon einmal ausgesprochen.
Die Krankheit, die auch als der „schwarze Tod“ bezeichnet wird, wütete in Europa zwischen 1346 und 1353 enorm – schätzungsweise 25 Millionen Menschen starben in der Zeit an der Krankheit, die sich meistens als „Lungenpest“ oder „Beulenpest“ zeigte. Aus dieser Zeit stammt auch der Friesoyther Pestschinken, der nach einer Sage die Pest aufgenommen haben soll und Friesoythe danach pestfrei wurde.
Der Pestschinken, der im Rathaus am Stadtpark ausgestellt wird, ist mit dem Jahr 1350 datiert. Doch es gibt noch andere Aufzeichnungen, unter anderem eine alte Postkarte, die die Entstehung des Pestschinken eher im 16. Jahrhundert sehen. Denn auch in dieser Zeit, genauer gesagt 1567, wütete in Friesoythe die hochgradig ansteckende Infektionskrankheit. Sie soll laut einigen Quellen sogar noch schlimmer als die Pestwelle im 14. Jahrhundert gewesen sein. In einem Text von Peter Sieve über die Bevölkerungsgeschichte der Stadt Friesoythe steht, dass laut Schätzungsregister von 1568 in vier von 129 Haushalten in Friesoythe die Bewohner an der „Pestilenz“ verstorben seien.
Der Brand von 1877
Die zweite große Katastrophe ereilte Friesoythe im noch jungen Deutschen Kaiserreich. Es war der 18. Juni 1877. An diesem Sommertag fegte laut Friesoyther Pfarrchronik eine enorme Feuersbrunst in der Lange Straße und Wasserstraße durch die Straßen. Rund 50 Häuser, damals fast ein viertel der Stadt, wurden bei dem Brand vernichtet. Die zerstörten Häuser, darunter die in der Lange Straße erst 1872 neu errichtete Amtsschließerei, mussten abgerissen werden. In dieser Zeit waren Feuerversicherungsagenten und Schätzer gefragte Personen in Friesoythe, da die nicht vom Stadtbrand betroffenen Einwohner ihre aus Kostengründen oft vernachlässigte Feuerversicherung überprüfen ließen.
Das Feuerwehrwesen wie wir es heute kennen steckte Mitte des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen. Alle Vorsorgemaßnahmen, auch die Aufsicht der Schornsteinfeger, hatten dem Feuer nichts entgegenzusetzen. Noch im Oktober 1876 wurden bei der Visitation der Feuerstellen durch Sachverständige, fast alle Häuser mit einem neuerdings vorgeschriebenen Kamin aus Stein versehen.
Der Krieg von 1945
Die größte Katastrophe kam aber erst im 20. Jahrhundert auf die Stadt zu – im Zweiten Weltkrieg. Am 14. April 1945 wurde Friesoythe durch kanadische Soldaten fast zu 90 Prozent zerstört. Auch das historische Stadttor, die Lange Pforte, fiel dem Angriff zum Opfer.
Doch nicht nur am 14. April war Friesoythe Opfer von Zerstörungen. Auch Anfang April fielen die ersten Bomben auf die Stadt. Am 10. April verließen die meisten Einwohner Friesoythe dann vorsorglich, denn die erste kanadische Armee hatten an diesem Tag den Küstenkanal in der Nähe von Dörpen erreicht. Am 11. April fielen dann die nächsten Bomben – zu der Zeit befand sich der Großteil der Einwohner zum Schutz schon in benachbarten Bauernhöfen, Scheunen, Erdbunkern und Gräben. Ende April lag dann die ganze Stadt Friesoythe in Trümmern.
