Friesoythe - „Ich freue mich wahnsinnig darüber“, sagt Bernd Wessels, Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals. Am Mittwochnachmittag bekam er die Mitteilung: Der Krankenhausplanungsausschuss des Landes Niedersachsen hat einen 22-Millionen-Euro-Zuschuss zum Ausbau des Friesoyther Krankenhauses genehmigt – zusammen mit den Investitionen an elf weiteren Krankenhäusern, der Weiterfinanzierung von Projekten an acht Krankenhäusern und sowie einigen Nachträgen, weil die Baukosten sich erhöht haben. Insgesamt 265 Millionen Euro umfassen die Investitionen. Die Sanierung des St.-Josefs-Hospital Cloppenburg wird mit acht Millionen Euro finanziert.
In Friesoythe ist der Neubau von 2100 Quadratmeter Nutzfläche mit OPs, Intensivstation, größeren Patientenzimmern und Hygienebereich geplant. 30 Millionen Euro sind veranschlagt, zwei Drittel wird somit das Land übernehmen. Die übrigen acht Millionen Euro kommen vom Landkreis Cloppenburg, der Stadt Friesoythe und dem Marienstift, Träger des St.-Marien-Hospitals. Landkreis und Stadt haben dazu bereits Gelder in ihre Haushalte eingestellt.
Platz 4 der Förderungen
Mit 22 Millionen Euro liegt Friesoythe ziemlich weit vorne – auf Platz 4 der geförderten Projekte hinter dem das Klinikum Oldenburg (163 Millionen Euro aus Sondervermögen), der Psychotherapie Lüneburg (32 Millionen Euro) und der Oste-Med-Klinik Bremervörde (31 Millionen Euro).
Bemerkenswert: Als das Marien-Hospital im vergangenen Herbst die Pläne vorstellte, gab es gleichzeitig eine politische Diskussion über die Kliniklandschaft. Das Gesundheitsökonomische Zentrum Berlin hatte der Kommission des Landtages in Hannover vorgeschlagen, die Zahl der niedersächsischen Krankenhäuser von 172 auf 36 „Superhospitäler“ zu reduzieren. Die Bertelsmann-Stiftung hatte nachgelegt: Die Klinikzahl in Deutschland ließe sich von knapp 1400 auf unter 600 senken, so deren Ansatz. Dadurch könne die Qualität der Versorgung gesteigert werden.
Die Pandemie hat die Sicht auf die Krankenhaus-Versorgung offenbar deutlich verändert. „Die Corona-Epidemie hat uns allen deutlich gemacht, was für ein hohes Gut eine flächendeckende und gut ausgestattete Krankenhauslandschaft ist“, sagt Landesgesundheitsministerin Dr. Carola Reimann (SPD), die Vorsitzende des Krankenhausplanungsausschusses. Die Krankenhäuser hätten in den vergangenen Wochen einen „immens wichtigen Beitrag“ geleistet. „Die Fördermittel fließen gezielt in die Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft in den Regionen“, so die Gesundheitsministerin. Für Niedersachsens Patientinnen und Patienten solle eine hochmoderne und gut aufeinander abgestimmte stationäre Versorgung bereitstehen, die Kliniken müssten zudem gut erreichbar sein.
Baubeginn Sommer 2021
Damit schlägt die Ministerin in die Kerbe, in die Wessels schon vergangenes Jahr angesichts der Schließungsdiskussion geschlagen hatte: Auf dem Lande widersprächen Krankenhausschließungen dem Anspruch auf gleiche Lebensverhältnisse, denn die ländlichen Regionen würden deutlich geschwächt werden. Nun wollte er am Mittwochabend ein Gläschen Sekt auf die Förderzusage trinken: „Ich bin guter Dinge, dass wir kommendes Jahr im Sommer den ersten Spatenstich machen können“, sagt Wessels.
