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St.-Marien-Hospital in Friesoythe Hebammen wurden von Kreißsaal-Schließung kalt erwischt

Die fünf Beleghebammen des St.-Marien-Hospitals Friesoythe im Kreißsaal: (von links) Claudia Schlump (Strücklingen), Roswitha Funke (Friesoythe), Heike Bothur (Ostrauderfehn), Klaudia Nordenbrock (Bösel) und Laura Broermann (Cloppenburg)

Die fünf Beleghebammen des St.-Marien-Hospitals Friesoythe im Kreißsaal: (von links) Claudia Schlump (Strücklingen), Roswitha Funke (Friesoythe), Heike Bothur (Ostrauderfehn), Klaudia Nordenbrock (Bösel) und Laura Broermann (Cloppenburg)

Friesoythe - Seit einer Woche ist bekannt, dass das St.-Marien-Hospital Friesoythe seinen Kreißsaal zum 31. Oktober schließen wird. Dazu beantworten die fünf betroffenen Beleghebammen – Roswitha Funke (Friesoythe), Claudia Schlump (Strücklingen), Laura Broermann (Cloppenburg), Klaudia Nordenbrock (Bösel) und Heike Bothur (Ostrauderfehn) – offene Fragen:

Hatte sich eine Entscheidung des St.-Marien-Hospitals abgezeichnet ?

Was uns Hebammen angeht – nein. Informiert war offensichtlich nur eine Handvoll der übrigens ganz überwiegend männlichen für die Schließung verantwortlichen Entscheider, bestehend aus Verwaltungsrat, Gesellschafterversammlung und die beiden Geschäftsführer der Marienhospital – als „gemeinnützig“ firmierenden – GmbH.

Haben Sie Gespräche geführt, oder herrscht gerade Funkstille ?

Die Krankenhaus-Geschäftsführer Bernd Wessels und Nadine Krefeld haben die Hebammen lediglich mündlich über die Schließung der Geburtshilfe informiert sowie die außerordentliche Kündigung der Belegverträge angekündigt. Ansonsten wurde keinerlei Kontakt mit den Hebammen gesucht.

Wie viele Frauen sind ungefähr betroffen ?

Betroffen sind jährlich rund 700 Frauen aus dem Großraum Friesoythe. Es sollten jedoch auch die Familien der Frauen nicht vergessen werden, die ebenfalls unmittelbar betroffen sind. Damit erhöht sich die Zahl der Betroffenen auf einige Tausend jährlich.

Was müssen betroffene Schwangere jetzt tun ?

Die betroffenen Frauen müssen versuchen, sich bei anderen Krankenhäusern in der Umgebung „anzumelden“. Die Hebammen der Frauen können bei der Auswahl beraten. Trotz erfolgter Anmeldung bei dem jeweiligen Haus, ist damit jedoch noch nicht sicher, dass die Geburt dann tatsächlich in dem Wunschkrankenhaus stattfinden kann. So muss vor allem das Krankenhaus Cloppenburg immer wieder tageweise den Kreißsaal wegen Hebammenmangels schließen. Bisher hat der gut mit Hebammen ausgestattete und deshalb immer für Geburten offene Kreißsaal des Marienhospitals als Ersatz gedient. In Zukunft ist zu erwarten, dass es immer wieder Frauen geben wird, die dann vor verschlossenen Türen stehen und ad hoc auf Irrfahrten zu anderen Kreißsälen geschickt werden.

Gibt es Hebammen, die wegen des Jobs nach Friesoythe gezogen sind ?

Zwei der fünf Hebammen sind zugezogen. Dabei war in beiden Fällen entscheidend für den Zuzug, dass das Marienhospital diesen Hebammen den langfristigen Bestand der Geburtshilfe hervorgehoben hat.

Wie geht es ab dem 1. November mit den Friesoyther Hebammen weiter ?

Wie es für die Hebammen weiter geht, ist zur Zeit noch völlig offen. Zur Zeit sind die Hebammen durch Hunderte Anfragen besorgter Frauen belastet, sodass für Zukunftsplanungen auch keine Zeit bleibt. Dabei sind die Hebammen völlig auf sich allein gestellt. So wurde den Hebammen bisher weder seitens des Marienhospitals noch seitens der Politik irgendwelche Hilfe angeboten.

Welche Möglichkeiten haben die Hebammen, sich zu wehren ?

Gegen die politische Entscheidung des Verwaltungsrates des Marienhospitals selbst können die Hebammen nur protestieren wie jeder andere Bürger auch. Mit politischem Druck hat sich der Deutsche Hebammenverband ebenfalls eingeschaltet. Dieser kämpft seit Jahren gegen die Vernachlässigung und Ausdünnung der Geburtshilfe durch die Politik des Bundes, der Länder und vieler Krankenhausbetreiber. Diese Politik benachteiligt immer mehr Frauen und Familien – vor allem aus dem ländlichen Raum. Rechtliche Mittel bis hin zu Gerichtsverfahren haben die Hebammen am Marienhospital, wenn das Krankenhaus seine langfristig laufenden und immer noch ungekündigten Verträge vorzeitig kündigen will.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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