Friesoythe/Landkreis - Für den Direktor der Musikschule des Landkreises Cloppenburg ist die Sache klar: „Präsenzunterricht ist nicht ersetzbar.“ Doch im Corona-Lockdown ist der nicht möglich. Daher wird an der Kreismusikschule – solange es nicht anders geht – online unterrichtet.
Die Musikschule des Landkreises Cloppenburg hat derzeit etwas mehr als 2000 Schülerinnen und Schüler. Wie Direktor Ulrich Schmidt berichtet, nehmen rund 80 Prozent von ihnen am Online-Unterricht teil. Im ersten Lockdown seien es 50 bis 60 Prozent gewesen.
Alle 48 Lehrerinnen und Lehrer der Kreismusikschule bieten Online-Unterricht an. Sie unterrichten von Zuhause aus oder aus den Räumlichkeiten der Musikschule.
Big Blue Button und Jitsi sind die Plattformen, die für den Online-Unterricht genutzt werden.In beiden Fällen laufen die Verbindungen über Server einer Österreichischen Firma. In Kürze wolle man auf einen Server umstellen, der vom Verband deutscher Musikschulen getragen wird, sagt Schmidt.
Ein grundlegendes Problem dabei: Man könne nicht alle Schülerinnen und Schüler erreichen, sagt Schmidt. „In kleineren Orten gibt es Probleme, weil die Internetverbindung bei den Schülerinnen und Schülern zuhause nicht gut genug ist für eine Video-Konferenz.“ In den eigenen Räumlichkeiten hat die Musikschule schon im ersten Lockdown nachgerüstet, so dass auch mehrere Lehrkräfte gleichzeitig online unterrichten können.
Schmidt sieht noch eine weitere Schwierigkeit: „Ein Riesenproblem ist, dass man nicht mit Anfängern starten kann.“ Hier brauche es Hilfestellungen, die nur in Präsenz möglich seien. Das wirkt sich auch auf die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler aus, die leicht gesunken sei: „Die Neuanmeldungen fehlen.“
Gebühren gesenkt
Für den Online-Unterricht hat die Kreismusikschule die Gebühren um 40 Prozent gesenkt, da digital durchschnittlich nur 60 Prozent der Inhalte vermittelbar seien, sagt Schmidt. Das finanzielle Defizit sei schon sehr deutlich, werde aber von Städten, Gemeinden und Landkreis getragen, die die Musikschule finanzieren. Es sei beruhigend, dass von den Trägern ein klares Signal komme, dass die Arbeit so geschätzt werde, „dass sie besonders in Krisenzeiten weitergehen muss“.
Eine weitere „Baustelle“: Die für 2020 geplanten Eröffnungen der neuen Außenstellen der Kreismusikschule in Ramsloh am Laurentius-Siemer-Gymnasium und in Friesoythe im ehemaligen Polizeigebäude verzögern sich.
Für die Lehrerschaft spricht Schmidt ein Lob aus: „Alle sind mit überaus großem Engagement aktiv.“
Kreativität gefragt
Karoline Braun unterrichtet an der Kreismusikschule Cello. Sie hat ihre Zweier- und Dreier-Gruppe aufgeteilt, um Einzelunterricht geben zu können. Eine grundlegende Schwierigkeit sei, dass ein Zusammenspiel wegen der verzögerten Übertragung nicht möglich ist, sagt Braun. Außerdem sei es über die Distanz hinweg schwierig, die Haltung von Bogen und Instrument zu korrigieren.
Trotz allem findet Braun: „Der Online-Unterricht ist auf jeden Fall besser, als nicht Kontakt zu halten. Die regelmäßige Verabredung gibt den Schülerinnen und Schülern einen Impuls, weiter zu machen.“ Außerdem sei der Musik-Unterricht oftmals das einzige außerschulische Angebot.
Neben ihrer Tätigkeit als Cello-Lehrerin ist Braun Fachbereichssprecherin für die elementare Musikpädagogik. Darunter fällt unter anderem die musikalische Früherziehung. Auch in diesem Bereich sind aktuell neue Ideen gefragt.
Im Schuljahr 2020/21 erreicht die Musikschule mit dem niedersächsischen Programm „Wir machen die Musik“ 20 Kindergärten im Kreis und damit mehr als 1560 Kinder. „Wir haben hier unglaublich viel Kreativität erfahren“, sagt Braun. Zu den Erzieherinnen und Erziehern wird per Post, Mail und Telefon Kontakt gehalten. Auf der Homepage der Musikschule gibt es einen internen Bereich, in dem sich die Kindergärten Material abholen können, darunter Noten und methodische Hinweise. Viele Stücke hätten die Musiklehrerinnen und -lehrer selbst geschrieben. Daneben hat Braun Online-Fortbildungen für die beteiligten Kindergärten gestartet.
Sobald Präsenzunterricht wieder möglich ist, werde man umgehend damit starten, sagt Direktor Schmidt. Ausnahmen werde es nur in begründeten Einzelfällen geben. Schmidt hofft, dass die Musikschulen gleichzeitig mit den Allgemeinbildenden Schulen wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren dürfen.
