Friesoythe/Landkreis - Immer wieder passieren Unfälle, weil Autofahrer (stark) alkoholisiert sind. Erst am Wochenende landete ein Auto auf einem Kreisverkehr in Sedelsberg. Der Fahrer hatte 1,62 Promille intus. „Och, das ist an dem Kreisverkehr schon häufiger vorgekommen“, sagt der Böseler Fahrlehrer Dirk Mammen, der auch Beratungen zur Vorbereitung auf eine Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) macht.
Und es gibt weitere Fälle: An einem Dienstag im Juli stürzt eine Barßelerin um 9.30 Uhr mit ihrem Fahrrad – mit 2,68 Promille. Schon beim Ausparken fährt ein Barßeler wochentags gegen 10.30 Uhr ein anderes Auto an – mit 2,17 Promille. An einem Samstag im August gerät ein Friesoyther gegen 18.20 Uhr außerorts in den Gegenverkehr – mit 2,71 Promille. Auch ein Bootsunfall im August auf der Sagter Ems ist auf massiven Alkoholkonsum der Bootsinsassen zurückzuführen.
Alkoholiker unterwegs
Wenn ein Mensch mit diesen Mengen Alkohol im Blut noch grundsätzlich funktioniere, der sei „trainierter Trinker“, ein Alkoholiker. Ein Alkoholproblem habe jeder, „der nicht mehr steuern kann, wenn er sich vornimmt, eine Flasche Bier zu trinken und am Ende wieder randvoll ist“, sagt Mammen. Ebenso müsse sich jeder, der seine Termine um seinen Konsum sortiere, Gedanken machen.
400 bis 500 Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) werde pro Jahr im Landkreis Cloppenburg gemacht, berichtet Fahrlehrer Dirk Mammen, der MPU-Beratung anbietet. Für Menschen, die ihren Führerschein abgeben mussten und ihn zurück wollen, ist die MPU obligatorisch.
Darüber hinaus ordnet die Fahrerlaubnisbehörde MPUs für Führerschein-Inhaber auch für Erstbewerber an, die Probleme mit Alkohol oder Betäubungsmitteln haben, oder Straftaten begangen haben.
Die MPU-Zahlen des Landkreises zeigen keinen klaren Trend. 60 angeordnete MPUs gab es 2019, darunter 16 für Inhaber aufgrund von Alkohol und 34 für Inhaber, die mit Drogen aufgefallen sind. 2020 hat die Behörde schon 17 Inhaber aufgrund von Drogenproblemen zur MPU geschickt, aber nur zwei aufgrund von Alkohol.
Fahrlehrer Mammen hat zwar das Gefühl, dass die Menschen vernünftiger werden, was den Alkoholkonsum betrifft. In der Fahrschule trifft er häufiger Jugendliche, die komplett verzichten. Aber: „Man darf nicht vergessen, dass Alkoholtrinken Teil unsere Kultur ist.“ So seien zum Beispiel Hochzeitsvorbereitung geprägt von Trinkanlässen: Grün holen, Röschen- und Kranzbinden, Kranzaufhängen, Junggesellenabschied... Junge Leute würden zudem häufiger Drogen konsumieren, vor allem Marihuana.
Doch eins müsse klar sein: „Es gibt keinen Grund, dann noch ins Auto zu steigen“, sagt Mammen, der als MPU-Berater schon alle Ausreden gehört hat. Von „das nächste Taxi kann erst in zwei Stunden da sein“, über „mein Asthmaspray enthält Alkohol“ bis „ach scheißegal, die paar Meter nachts um 2 Uhr, was soll da passieren?“. Selbst Leute, die nach Alkoholfahrten den Führerschein verloren haben, machten sich etwas vor, seien sicher, kein Alkoholproblem zu haben, sagt Mammen.
Glas Sekt kann reichen
Es sei zudem vielen Menschen nicht bewusst, wie schnell sich der Promille-Wert im Körper aufbaue, sagt Mammen. Es reiche das Glas Sekt oder der Eierlikör bei einer Geburtstagsfeier und die Fahrfähigkeit sei beeinträchtigt.
Außerdem: Wer regelmäßig trinke, brauche immer mehr Alkohol, um den gewünschten Effekt zu haben. „Welcher Jugendliche trinkt denn Bier und Korn? Aber im Alter fangen die Leute damit an, weil das Bier nicht mehr die Wirkung hat“, sagt Mammen.
