Friesoythe - Das St.-Marien-Hospital eröffnet eine Ambulanz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Die Leitung übernimmt Farid Alexander Jamai, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie. An seiner Seite arbeiten Simone Millhahn und Lisa Volkmann, zwei CED-Nurses, speziell ausgebildete Krankenpflegerinnen zur Betreuung chronisch Kranker.
Darüber hinaus werden Matthias Züll, der Diplom-Oecotrophologe des Marienhospitals, für die Ernährungsberatung und Viszeralchirurgin Tincuta Pavel für eventuell nötige Operationen zum engen Team der Ambulanz gehören. Und es sollen zukünftig Netzwerke mit anderen Fachleuten geknüpft werden. Auch Selbsthilfegruppen können an die Ambulanz andocken.
Weniger Lebensqualität
Die Ambulanz soll eine feste Anlaufstelle für Betroffene sein, die in ihrem Leben stark von ihrer Erkrankung betroffen sind. Denn: Die oft noch recht jungen Patienten leiden unter krampfartigen Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Blutarmut, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Sie müssen mit Durchfällen sehr häufig zur Toilette. Das beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit und die Lebensqualität.
Die Ambulanz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sei eine Erweiterung des Leistungsangebots des St.-Marien-Hospitals, erläutert Bernd Wessels, Geschäftsführer der St.-Marien-Stiftung. „Das ist ein weiterer Schritt zur Spezialisierung unseres Hauses, ein weiterer Schritt in die Zukunft und ein Thema, das viele Menschen betrifft. Es wird Menschen geben, die weite Wege in Kauf nehmen.“ Wessels berichtet zudem, dass er selbst Betroffener sei.
Auch beim Krankenhausneubau sei die Ambulanz eingeplant. Weiter soll das Personal in der Endoskopie, in der Magen- und Darmspiegelungen gemacht werden, aufgestockt werden.
Die Patienten litten unter Diskriminierung, denn auch wenn die CED behandelt würden, seien die Durchfälle nicht für immer verschwunden, berichtet Jamai. Es gebe keine Heilung, das habe psychosoziale und psychologische Auswirkungen: „Die Patienten schämen sich.“
Untypische Verläufe
Zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählen Morbus crohn und Colitis ulcerosa. Es gebe nicht nur eine Ursache für die Entzündungen im Darm, berichtet Jamai, der bereits als leitender Oberarzt in Bremerhaven viel mit diesem Thema zu tun hatte. So gebe es eine genetische Komponente – die Patienten seien vorbelastet. Außerdem wird davon ausgegangen, dass die westliche Ernährung und Umwelteinflüsse Einfluss auf den Darm haben.
Auch verliefen die Erkrankungen manchmal ganz untypisch, sagt Jamai. So sei es wichtig, die Patienten auch individuell zu behandeln und die Behandlung immer wieder anzupassen. Dazu sei es hilfreich, wenn alle Disziplinen zusammenarbeiten. Und Dr. Ralf Weise, ärztlicher Direktor des Marienhospitals betont, dass es die Behandlung von CED so gebündelt in der Umgebung nicht gebe: „Die Patienten sollen sehen, dass sie akzeptiert werden und wir ansprechbar sind.“
