Friesoythe - Eulen sind scheue, nachtaktive Tiere? Von wegen. In Friesoythe zumindest gehören die Waldohreulen in vielen Gärten mittlerweile zum gewohnten Bild – auch bei Tag. Oder besser: Man sieht sie und man hört sie. Letzteres ist dabei nicht wirklich angenehm.
In der NWZ-Redaktion gingen gleich mehrere Hinweise auf die Vögel ein. Mal sitzen sie in den Bäumen, mal auf Hausmauern und Dächern, mal sogar zu dritt auf einem Fahrrad. Normalerweise fallen Eulen und eben auch Waldohreulen in der freien Natur nicht auf, da sie sich tagsüber in Bäumen gut verstecken können. Doch derzeit ist das anders. Die Vögel haben Nachwuchs bekommen. Und die Jungvögel sind neugierig – und laut. Ihr sogenannter Bettelruf, also der Ruf nach Futter, klingt sehr schrill und monoton. Der Ruf ist zu vergleichen mit einer laut quietschenden Kinderschaukel, auf der stundenlang ein Kind hin und her schwingt.
Aber was genau hat es mit den Waldohreulen im Friesoyther Stadtgebiet auf sich. Die NWZ fragte beim Niedersächsischen Forstamt in Ahlhorn, das auch für Friesoythe zuständig ist, nach. „Generell scheuen Waldohreulen den Menschen nicht, und diese Eulenart ist sehr anpassungsfähig“, sagt Jörn Schöttelndreier von den Niedersächsischen Landesforsten in Ahlhorn. Der Förster ist für Waldökologie und Waldnaturschutz zuständig und kennt sich mit Eulen sehr gut aus.
Es komme immer wieder vor, das Waldohreulen in Orten und kleinen Städten mit dörflicher Struktur gut sichtbar auftauchen. Eigentlich aber eher im Winter. Dann würden sich gleich mehrere Exemplare zu einer Gruppe zusammenfinden. Sobald es wieder wärmer werde, löse sich diese Gemeinschaft wieder auf. Doch auch das, was sich derzeit in Friesoythe abspiele, sei nicht ganz ungewöhnlich. „Größere Gärten sind oft abwechslungsreicher als die umliegende freie Landschaft“, sagt Schöttelndreier. Außerdem würden Eulen keine eigenen Nester bauen, sondern ausgediente Brutstätten von Krähen und Elstern nutzen. Diese seien vor allem in Gärten und Parks mit hohen Bäumen zu finden. Daher würden sich die Eulen durchaus auch in bewohnter Umgebung wohlfühlen.
Die Eulenpopulation habe in den letzten Jahren zudem zugenommen. Das liege zum einen daran, dass die Vögel hier in der Region in Form von Mäusen genug zu fressen finden würden. Außerdem seien die Winter deutlich milder als früher, wodurch mehr Tiere diese Jahreszeit überleben würden.
„Die Friesoyther sollen sich einfach an den Eulen erfreuen“, sagt der Förster. Vor allem die Jungtiere seien sehr neugierig, und daher von der Terrasse aus auch sehr gut zu beobachten. „Das sind immer tolle Momente“, so Schöttelndreier.
Er wisse natürlich um die nervige Art des Eulennachwuchses. Dieses monotone, schrille Rufen nach Futter. Das könne einem schon den Schlaf rauben. Aber auch diese Zeit gehe wieder vorüber. Woche für Woche würden die kleinen Eulen mobiler und ihr Aktionsradius größer. Und irgendwann verstumme auch der Bettelruf.
