Friesoythe - Der Betrieb in den Fahrschulen läuft wieder an. Wer jetzt allerdings seinen Führerschein machen will, muss mehr Geduld bis zur ersten Fahrstunde mitbringen. Denn aufgrund der Schließungen im Frühjahr hat sich ein „Prüfungsstau“ gebildet.
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Woher kommt der Prüfungsstau in Schulen? |
„Als die Fahrschulen im Frühjahr für zehn Wochen schließen mussten, sind damit auch die anstehenden Prüfungen und Unterrichtsstunden ausgefallen“, berichtet Michael Niemeyer von der Fahrschule Niemeyer in Barßel. Nach der Wiederöffnung der Geschäfte hatten er und seine Mitarbeiter viel zu tun, um die verlorene Zeit nachzuholen. Denn viele seiner Fahrschüler waren Schüler, die erst nachmittags Zeit haben. Das staute sich.
Ein weiteres Problem waren die Prüfungen. „Viele Fahrschüler waren im Frühjahr bereits für eine Prüfung angemeldet“, sagt Dirk Mammen von der Fahrschule Mammen in Bösel. Die Prüfungen plane man 14 Tage mit dem TÜV im voraus. „Nach der Öffnung musste sich auch der TÜV an die neuen Corona-Regelungen halten. Es gab weniger Prüfungstermine“, erklärt der gebürtige Böseler Mammen, wie es zu dem Stau kam.
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Wie wird zur Zeit unterrichtet? |
Weniger Schüler bei den Theoriestunden, zeitweise nur ein Schüler pro Fahrstunde: Nicht nur Prüflinge warten stellenweise länger auf einen Termin, sondern auch Fahrschulanfänger müssen bei der Anmeldung zur Fahrschule mehr Geduld mitbringen. „Mittlerweile dürfen wir wieder mit mehreren Fahrschülern im Auto sitzen und auch wieder mehr Schüler in der Theorie schulen“, sagt Niemeyer, der mit insgesamt fünf Fahrlehrern schult. Dennoch hat er eine Warteliste.
Nur etwa die Hälfte aller Fahrschüler könne Mammen nach der Öffnung wieder theoretisch und praktisch schulen. Mehr fahren, weil mehr zu tun sei, ginge nicht in einer Fahrschule, sagt er. Ein Fahrlehrer darf am Tag nur 495 Minuten schulen. In seinem Unternehmen sind insgesamt zwölf Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer angestellt.
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Welche Folgen hat die Wartezeit für Fahrschüler? |
Für manche junge Fahrschüler hat der Lockdown auch weitreichendere Konsequenzen, wie Mammen erzählt. Eine Fahrschülerin, die bis jetzt keine Prüfung ablegen konnte, muss jeden Tag etwa 50 Kilometer von ihrer Mutter zur Ausbildungsstelle hingebracht und wieder abgeholt werden. Getroffen habe der Lockdown auch angehende Berufskraftfahrer, die ihre Weiterbildungskurse verschieben mussten und dadurch nicht arbeiten konnten, sagt Mammen.
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Ist ein Ende des Staus in Sicht? |
Vorwürfe will Dirk Mammen für diese Situation keinem machen. „Es konnte niemand ahnen, dass das so viel nach sich ziehen würde“, sagt er. Zwar hat sich die Situation laut Niemeyer in seiner Fahrschule schon entspannt, dennoch weist er darauf hin, dass man ein paar Wochen mehr Zeit einplanen muss, wenn man jetzt mit dem Führerschein starten will.
