Friesoythe - Der Ruf nach öffentlichen Verkehrsmitteln ist im ländlichen Raum groß, die Umsetzung aber zumeist schwierig. Das gilt vor allem für eine flächenmäßig sehr große Region wie den Landkreis Cloppenburg.
Das Projekt „Moobil+“ ging im Juni 2020 nach zweimonatiger coronabedingten Verspätung an den Start. 14 Kleinbusse sind seitdem auf 13 Linien im gesamten Landkreis Cloppenburg unterwegs. Zwischen 400 und 500 Fahrgäste waren bis zum Lockdown im November 2020 im Schnitt pro Woche insgesamt mit den Rufbussen unterwegs. Derzeit können wöchentlich im Schnitt zwischen 350 und 400 Fahrgäste gezählt werden.
Auf der Linie MO3 im Friesoyther Stadtgebiet pendelten die Fahrgastzahlen in den vergangenen Monaten zwischen 35 und 66 pro Woche. Die meisten Mitfahrer wurden in der letzten Woche der Sommerferien gezählt, da waren es 120. In der letzten Woche des Jahres 2020 waren es hingegen nur sieben zahlende Fahrgäste.
Ein Versuch, die Situation zu verbessern und die Leute auf dem Land mobiler zu machen, läuft derzeit. Der Landkreis Cloppenburg und die dazugehörigen Städte und Gemeinden haben vor genau einem Jahr ein Rufbussystem auf den Weg gebracht. „Moobil+“ heißt das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt. Ein Erfolgsmodell ist das – auch pandemiebedingt – nicht wirklich, die Stadt Friesoythe möchte dennoch länger daran festhalten.
Fraktionen sind sich einig
„Ich sehe dieses Projekt sehr positiv“, sagte CDU/FDP-Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Krone auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Soziales und Gesundheit. Eine Messbarkeit des Erfolgs sei aufgrund der Corona-Pandemie aber nicht wirklich möglich. Daher unterstütze man den Vorschlag der Stadtverwaltung, der Vertragsverlängerung seitens des Landkreises mit den Fahrdienstleistern des Rufbussystems um zwei weitere Jahre, also bis März 2024, zuzustimmen. So sah es auch SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Geuter. „Das Rufbussystem ist wichtig, um die Situation im ländlichen Raum zu verbessern. Allerdings war der Start des Projektes durch Corona blöd“, sagte Geuter. Daher unterstützte man die Vertragsverlängerung. Auch um die zusätzliche Zeit zu nutzen, um etwaige Probleme zu lösen, wie etwa das fehlende Angebot an Wochenenden.
Noch viel Potenzial
Das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung GmbH begleitet das Projekt wissenschaftlich. In einer ersten Bilanz kam das Unternehmen zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Fahrgäste am unterem Ende der Möglichkeiten bewege. Das sei aber vor allem den besonderen Umständen geschuldet. Das Potenzial werde derzeit nicht annähernd ausgeschöpft. In Friesoythe sei der Start dennoch vielversprechend verlaufen, das für ein hohes Interesse an dem neuen Angebot spreche. In der Verteilung der Haltestellen und beim Routenverlauf gebe es noch Potenzial.
Der Verkehrsausschuss des Landkreises hat sich ebenfalls schon für die Fortsetzung des Projektes ausgesprochen. Nach Abzug der Einnahmen und Fördergelder fallen für zwei Jahre insgesamt Kosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro an. Friesoythe wird sich für die Jahre 2023/2024 mit rund 190 000 Euro beteiligen.
