Friesoythe - Ausschlafen und die Wochenaufgaben irgendwann erledigen? Was im ersten Lockdown im Frühjahr auch für die Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) Friesoythe möglich war, ist vorbei. Obwohl seit zwei Wochen wieder ein Teil der Schüler zuhause bleibt, geht es um 8 Uhr los – für alle.
Die Schule hat das „Szenario B“, wie das Wechselmodell für den Unterricht heißt, für sich überarbeitet. Es laufe jetzt „besonders innovativ, ressourcenschonend und schülerfreundlich“, sagt Schulleiterin Marlies Bornhorst-Paul.
Schultag von Zuhause
In jedem Klassenzimmer sitzt derzeit nicht nur die Hälfe der Schüler, sondern so viele wie mit Abstand rein dürfen. Der Rest der Schüler sitzt zeitgleich zuhause vor den Rechnern und folgt dem Unterricht über Kamera und Mikrofon. Sollte es nötig sein, könnte auch der Lehrer daheim bleiben.
Der Vorteil: Alle Schüler nehmen am selben Unterricht teil, bekommen also dieselben Informationen, Arbeitsaufträge, Aufgaben. „So vermeiden wir, dass Schüler ausgeschlossen werden. Die Schüler sind zwar zuhause, aber dabei. Sie setzen den Unterricht zuhause um, wie einen analogen Schultag“, sagt Oberstufenkoordinator Lars Murra.
Denn das sei einer der Rückmeldungen der Abschlussschüler im Frühjahr gewesen, die Probleme gehabt hätten, sich zu motivieren, aber auch richtig einzuschätzen, wann sie genug gelernt hätten. Gleichzeitig bedeutet die neue Organisation auch eine Arbeitserleichterung für die Lehrer, die nicht mehr Präsenzunterricht und Arbeitspakete für die Schüler zuhause vorbereiten müssten.
Möglich ist das BBS-Modell des Szenario B, weil die Schule technisch aufgerüstet hat. Der Schulträger Landkreis Cloppenburg hat dazu Geld zur Verfügung gestellt. Fast alle Räume haben jetzt ein Smartboard – eine Art riesiges Tablet – statt Tafeln, dazu Kameras und Mikrofone.
Hinzu kommt die Organisation: So hat die Schule abgefragt, welche Technik den Schülern zur Verfügung steht. Zum Beispiel haben zwar alle 360 Schüler des Gymnasialzweigs die nötigen Geräte. 20 wohnen aber in Gegenden, in denen das Internet nicht ausreicht. Diese Schüler kommen daher durchgehend zum Unterricht, berichtet Murra.
Maske und Abstand
Die anderen bleiben rotierend zuhause, sodass jeder alle drei bis fünf Wochen dran ist. Schüler und Lehrer halten Abstand und tragen Maske. Durch Sitzpläne lasse sich nachvollziehen, wer mit wem näheren Kontakt hatte, falls eine Infektion auftreten sollte.
Bemerkt hat die BBS auch: Bei den Schülern der anderen Schulformen sieht es sehr unterschiedlich aus, was die Technik angeht, berichtet Uta Grüning, Leiterin der Berufs- und Berufsfachschule, die sich auch um die Stundenpläne und Organisation kümmert. Hier zeige sich ein Zusammenhang, dass schlechtere Schüler zuhause schlechtere Voraussetzungen hätten.
Szenario A nennt das Kultusministerium Schulunterricht im „eingeschränkten Regelbetrieb mit Präsenzunterricht“ für alle Schülerinnen und Schüler in der Pandemie.
Szenario B bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler an weiterführenden und berufsbildenden Schulen im Unterricht in Lerngruppen aufgeteilt und werden und Unterricht im Wechselmodell erhalten, in der Regel für 14 Tage.
In Kraft tritt Szenario B, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz 100 (100 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner im Landkreis) erreicht ist.
Eine Mund-Nase-Bedeckung für alle Schüler und Lehrer ist bereits ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 im Unterricht vorgeschrieben.
