Friesoythe - Nachdem die Geburtenstation des St.-Marien-Hospitals Ende Oktober geschlossen worden ist, beschäftigt die Gesundheitsversorgung im Nordkreis am Dienstagabend zahlreiche Lokalpolitiker und Verwaltungsvertreter der vier Nordkreiskommunen. Sie trafen sich im Forum am Hansaplatz in Friesoythe mit der Geschäftsführung, Ärzten und dem Aufsichtsrat des Krankenhauses. Ebenfalls dabei war Regina Peters-Trippner, Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes und Erster Kreisrat Ludger Frische.
Die Schließung der Geburtenstation sei nur der Anlass für das Treffen, betonte Gastgeber Sven Stratmann, Bürgermeister der Stadt Friesoythe: „Was Thema sein muss, ist der Aufschlag zu einer gemeinsamen Kommunikation.“ Es müsse darum gehen, künftig in ähnlichen Situationen gemeinsam Lösungen zu finden. Denn das wurde kritisiert: die kurzfristige Ankündigung der Schließung.
Kritik an Kommunikation
Das Vorgehen verteidigten die Krankenhausvertreter. Da durch den Mangel an Fachärzten ein Sicherheitsproblem drohte, habe diese Entscheidung „einsam“ getroffen werden müssen, sagte Geschäftsführerin Nadine Krefeld. Und Georg Litmathe, Vorsitzender des Aufsichtsrates, sagte: „Wir sind eigentlich recht froh, dass es so gelaufen ist. Es ist wichtig, dass man in Gremien auch mal dicht hält.“ Die Zukunft des St.-Marien-Hospitals sehe er „sehr optimistisch“.
Ausführlich blickte Geschäftsführer Bernd Wessels auf die vergangenen Jahre zurück und berichtete, welche Anstrengungen unternommen worden seien, den Mangel an Fachärzten in der Gynäkologie und der Anästhesie abzustellen. Und er zeigte weitere Probleme auf, etwas das Fehlen eines Kinderarztes, der bereit war, eine Notfallversorgung für Neugeborene zu gewährleisten. Es gebe im Landkreis auch keine stationäre Versorgung für Kinder.
Bösels Bürgermeister Hermann Block verwies auf die Erfolge seiner Gemeinde, Hausärzte anzusiedeln: „Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen. Sonst ist die Grundversorgung in Gefahr.“
Dem widersprach Wessels: „Es geht nicht nur ums Geld. Wir zahlen schon über Tarif. Die Ärzte wollen maximal vier bis sechs Dienste pro Monat machen. Es gibt auch viele Ärzte, die in Oldenburg wohnen. Die wollen nicht auf dem Dorf wohnen.“
Mehr Wertschätzung
Dr. Ralf Weise, ärztlicher Leiter des St.-Marien-Krankenhauses, sagte: „Wir sind hier noch im Schlaraffenland im Vergleich zu anderen Regionen.“ Er habe derzeit keinen Assistenzarzt im gesamten Krankenhaus, der aus Deutschland stamme. „Sie könnten den Versuch machen, die Gegend attraktiver zu machen“, schlug er den Politikern vor. So müssten die Busverbindungen verbessert werden. Und ein Kino fehle der Region. Gynäkologe Dr. Stephan Brieger forderte mehr Wertschätzung der Ärzte durch die Politik, die diese jahrzehntelang verunglimpft hätten.
„Wir müssen dafür Sorge tragen, dass der ländliche Raum ernst genommen wird“, sagte Dr. Matthias Lamping von der CDU. Es müssten mehr Ärzte ausgebildet werden. Fast als eine Art Schlusswort der zweitstündigen Diskussion forderte Hebamme Regina Peters-Trippner: „Wir sollten jetzt für die Kinder des Landkreises eine Versorgung schaffen, die zu 2021 passt.“ Dazu gehörten auch Kinderärzte und eine Neonatologie (Neugeborenen-Versorgung), falls etwas mal schwierig laufe.
