Garrel - Laute Schreie, schmerzerfüllte Gesichter, eine Platzwunde im Gesicht, ein offener Bruch am Arm und ziellos herumirrende Personen – ein Anblick, dem sich der Mensch am liebsten entziehen würde. Doch mit solchen oder zumindest vergleichbaren Bildern werden Einsatzkräfte in Realfällen konfrontiert.
Um auf derartige Situationen bestmöglich vorbereitet zu sein und somit optimal helfen zu können, bedarf es regelmäßiger Übungen und Fortbildungen. Auch elf Schulsanitäter der Oberschule Garrel haben in den Osterferien an einem viertägigen Trainingscamp in der Dienstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe des Ortsverbandes Garrel teilgenommen.
Fertigkeiten festigen
Ziel des Trainingscamps war die Wiederholung der Basisqualifikationen der Ersten Hilfe, um Fertigkeiten wie beispielsweise die stabile Seitenlage oder Helmabnahme zu festigen und die Schulsanitäter für ihren Einsatzdienst an der Oberschule vorzubereiten. „Natürlich ist das Trainingscamp auch eine weitere Vorbereitung auf den Bundeswettkampf, der schon in vier Wochen in Potsdam stattfinden wird“, erklärte Ausbildungsleiter Jan Ferneding.
Sturz vom Klettergerüst: Während zwei Schulsanitäter sich um die verletzte Person kümmern, beobachten die anderen Jugendlichen das Szenario aus der Ferne.
Ob Kinder und Jugendliche im Schulsanitätsdienst oder Profis: Einen Ernstfall zu üben, der echt wirkt, aber nicht echt ist, hat auf jeden Fall Sinn. So wird Erste Hilfe erlebbar. Aus diesem Grund kam im Trainingscamp auch das speziell geschulte Team für realistische Unfall-Darstellung (RUD) unter der Leitung von Dr. Claudia Schmithals von der Dienststelle des Ortsverbandes Oldenburg für einen Tag zum Einsatz.
Die RUD-Gruppen lassen Einsatzkräfte und alle an der Rettungskette beteiligten Personen im Rahmen ihrer Aus- und Fortbildung möglichst realistisch und praxisnah trainieren. Mit viel Farbe und schauspielerischem Talent werden hier Verletzungsszenarien geprobt, die dann bei Übungen und Wettkämpfen angewendet werden können. Von der einfachen Schnittwunde über einen Knochenbruch oder eine Verbrennung bis hin zu einem lebensgefährlich verletzten Polytrauma-Patienten mit stark blutenden Wunden kann so ziemlich alles nachgestellt werden.
Realistische Unfalldarstellung: Bei einer Schminkeinheit lernten die Schulsanitäter unterschiedliche Wunden und sogar offene Brüche darzustellen.
„Für unsere Schulsanitäter gab es zunächst eine Schminkeinheit“, sagte Ferneding, dem es wichtig ist, dass den Jungen und Mädchen im Trainingscamp auch etwas Abwechslung geboten und dabei der Horizont erweitert wird. „Aber auch in die Rolle eines Verletzten musste sich unser Nachwuchs hineinversetzen.“ Dabei unterstützte das vierköpfige RUD-Team, so dass die unterschiedlichen Krankheitsbilder von den Jugendlichen möglichst realistisch dargestellt werden konnten.
Unglücke in Garrel
Als Höhepunkt des Trainingscamps ging es am letzten Tag an unterschiedliche Einsatzorte, um praktisch an Fallbeispielen zu üben. „Wir konnten einige Garreler Firmen und Privatleute als Kooperationspartner gewinnen und so auch einmal das Setting an der Dienstelle verlassen“, freute sich Jan Ferneding über das Engagement der Garreler. So kam die RUD gleich an unterschiedlichen Orten zum Einsatz: Von einem Bienenstich mit allergischer Reaktion in der Eisdiele über einen umgeknickten Fuß im Dorfpark bis hin zu einem Sägeunfall bei Meyer GmbH & Co.KG – gleich mehrere Unfallszenarien konnten nachgestellt und so mit den Schulsanitätern praxisnah geübt werden.
