Ramsloh - Leidenschaft. Damit lasse sich ihr Heimatland Argentinien mit einem Wort am besten beschreiben, sagt Isabel Hibben, die seit 2005 in Deutschland lebt. Und diese Leidenschaft zeigt sich derzeit ganz besonders bei der Fußball-WM in Katar. Nicht nur bei der argentinischen Nationalmannschaft, sondern auch bei den Fans auf den Rängen, die bei den Spielen mächtig Stimmung machen. Auch die Menschen im Land selbst stehen komplett Kopf. Alles dreht sich bei den Südamerikanern im Moment um Fußball. Kein Wunder, denn die fußballverrückte Nation steht im WM-Finale und spielt am Sonntag (16 Uhr) gegen Frankreich um den Weltmeistertitel. Mit Leidenschaft vor dem Fernseher dabei sein wird auch die 43-jährige Isabel Hibben. Und sie weiß schon jetzt: „Das wird eskalieren.“
Emotional dabei
Bislang hat sie sich alle Spiele der Argentinier angeschaut und mitgefiebert. Auf der Couch in Ramsloh hat sie ihre eigene Ecke. Ehemann Michael und Tochter Sarah nehmen dann lieber etwas Abstand. „Ich bin immer sehr emotional dabei, brauche Platz und renne auch mal durchs Zimmer“, sagt die Ramsloherin und lacht.
Beim Halbfinale gegen die Niederlande habe sie allerdings das Wohnzimmer verlassen müssen. „Verlängerung und Elfmeterschießen wären zu viel für mich gewesen. Meine Pulsuhr zeigte schon Werte an, als ob ich Hochleistungssport betrieben hätte.“ Das Finale will sie sich aber komplett anschauen, egal was komme. „Wir haben diesen Titel so sehr verdient. Ich wünsche es mir von Herzen“, sagt die Inhaberin eines Reisebüros. Das verlorene Finale 2014 gegen Deutschland ist ihr nämlich noch gut in Erinnerung. „Das war hart“, sagt sie. Und der letzte WM-Titel der Argentinier liegt schon 36 Jahre zurück – 1986 mit Diego Maradona.
Jetzt ist Lionel Messi der absolute Superstar. Wobei Hibben einschränkt, dass das ganze Team zu einer richtigen Mannschaft zusammengewachsen sei. „Aber klar, der größte Druck lastet auf Messi.“ Dieser kommt übrigens ebenso wie Nationaltrainer Lionel Scaloni aus dem Ort Rosario – dem Geburtsort von Isabel Hibben.
Sollte Argentinien am Sonntag Weltmeister werden, dann wird nicht nur in diesem Ort, sondern im ganzen Land der Ausnahmezustand herrschen, „arbeiten wird am Montag dann auch niemand“. Die Menschen seien halt so. Es habe sogar Leute gegeben, die all ihren Besitz verkauft hätten, um zur WM zu fahren. „Die Argentinier würden für den Fußball auch ihre Seele an den Teufel verkaufen. Sie lieben das Spiel über alles.“
Hoffen auf faires Spiel
Isabel Hibben weiß, dass es am Sonntag gegen Frankreich nicht leicht werden wird. Sie wünscht sich in erster Linie ein faires Spiel – ohne Verlängerung und Elfmeterschießen. Und wenn Argentinien tatsächlich Weltmeister werden sollte? „Dann werde ich meinen Emotionen freien Lauf lassen.“
