Garrel - GS agri kehrt mit dem Gleisanschluss ein Stückweit zurück zu den Wurzeln – der Blick in die Geschichte offenbart zudem: Die Ursprünge des Unternehmens in Garrel liegen genau 130 Jahre zurück. Damit waren die Vorläufer von GS agri in Garrel eines der, wenn nicht das älteste Unternehmen in der Gemeinde.

Im Jahre 1890, in dem sich in Garrel der „Landwirtschaftliche Consumverein“ bildete, zählte die Gemeinde acht Schneider, vier Zimmerleute, fünf Kaufleute, vier Wirtschaften, jeweils verbunden mit Kleinhalden, berichtet Heinrich Kalvelage in der Garrel-Chronik von 1972. Das Handwerk ist noch relativ jung, die Handwerker sind nicht geregelt ausgebildet und arbeiten nebenberuflich immer noch als Landwirte. Größere Betriebe und Industrie fassten erst Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts Fuß in der Gemeinde Garrel.

Der damalige „Landwirtschaftliche Consumverein“, der sich auf Initiative des Pfarrers Bernhard Kock konstituiert hatte, hatte sich zum Ziel gesetzt, Kunstdünger für die Landwirte zur Verfügung zu stellen. Ohne künstlichen Dünger gibt es in Garrel keine Entwicklung, hatte der Geistliche erkannt. Bahngleise standen allerdings nicht zur Verfügung. Der Dünger, der zu diesem Zeitpunkt für eine deutliche Steigerung der Ernteerträge sorgte, musste mühsam auf einfachen Ackerwagen aus Cloppenburg geholt werden, denn einen Händler gab es in Garrel nicht. Der Weg führte durch tiefen Sand, immer mit der Gefahr, festzustecken. Dafür nahmen einige Bauern sogar einen Umweg über Thüle in Kauf.

Pfarrer Kock berief am 13. Juli 1890 eine Versammlung in der Schule ein, Thema: die Gründung einer Genossenschaft. 30 Bauern kamen. Kaum zwei Wochen später erfolgte die Anmeldung im Genossenschaftsregister, am 14. September konstituierte sich der „Consumverein“ unter Vorsitz von Kaufmann Bernhard Wendeln.

Zur Deckung der Kosten wurde in den Statuten festgelegt, dass ein Aufschlag von zweieinhalb Prozent vom Warenumsatz erhoben werden sollte. Die Warenbezugsgenossenschaft war allerdings bei Weitem nicht die erste im Oldenburger Land, sondern stand an 48. Stelle, geht aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen hervor.

Die Bezugsgenossenschaft diente rund 70 Jahre als Handelsbetrieb für die Garreler Landwirte, bis in kleinem Rahmen auch Mischfutter hergestellt wurde. Ab dem Jahre 1972 wurde das Unternehmen systematisch erweitert – um den Haus- und Gartenmarkt sowie eine Werkstatt für Landmaschinen im Jahre 1976. Die Mischfutterproduktion wurde stetig ausgeweitet.

Ein Großbrand im März 1979 zerstörte die gesamte Mischfutterproduktion. Doch im gleichen Jahr wurde das Werk mit modernster Technik neu gebaut, und die Mahl- und Mischkapazitäten wurden erheblich ausgeweitet. Es sollte nicht der einzige Brand bleiben: 2005 zerstörte ein Brand weite Teile der Produktionsgebäude.

1985 und 1986 kamen eine Werkstatt für Landmaschinen und ein neuer Haus- und Gartenmarkt hinzu. Die Trocknungsanlage datiert auf das Jahr 1988.

2006 fusionierte die Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaft, wie sie sich in der Zwischenzeit umbenannt hatte, mit GS agri. Letzteres Unternehmen blickt im kommenden Jahr auf eine 140-jährige Geschichte zurück.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)