Garrel - Die Nachfrage nach Fahrrädern ist wohl nie so groß gewesen wie seit der Corona-Krise. Der deutsche Fahrradmarkt hat im vergangenen Jahr um fast 17 Prozent zugelegt im Vergleich zum Vorjahr. Im Schnitt haben die Verbraucher laut Daten der Branchenverbände ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) und VDZ (Verband des deutschen Zweiradhandels) 1279 Euro pro Fahrzeug ausgegeben.
Insofern treffen Viktor Spadi (31) und Nick Kober (34) den Nerv der Zeit. Sie haben jetzt ihr „Bikecenter Garrel“ an der Böseler Straße 35 geöffnet. Wären da nur nicht die Schattenseiten des Booms: Die Kunden müssen mit teils langen Lieferzeiten rechnen. „Vom Ritzel bis zum kompletten Fahrrad – vieles ist derzeit schwer zu bekommen“, berichtet Nick Kober. „Da muss man kreativ sein“ – gerade auch, wenn man neu unter den Händlern ist. Insofern ist in der Lagerhalle noch jede Menge Platz.
Meister des Fachs
Die Idee, sein eigenes Fahrradgeschäft zu eröffnen, hatte Viktor Spadi schon nach seiner Ausbildung. Er ist gelernter Zweiradmechaniker und und Meister seines Fachs. Mit Nick Kober fand er nicht nur einen Freund aus Kindheitstagen, sondern auch einen gelernten Einzelhandelskaufmann, der zuletzt in der Automobilbranche tätig war. Geschäftsräume fanden sie an der Böseler Straße, unweit ihres Wohnortes, in einer leerstehenden Halle. Im Herbst hatten sie erste Gespräche mit dem Vermieter geführt. Nach einigen Umbauarbeiten treten sie nun im Frühjahr in ihrem neuen Geschäft in die Pedale.
„Wir wollen die Menschen ergonomisch aufs Rad bringen“, sagt Zweiradmechanikermeister Viktor Spadi, der bei einem großen Fahrradhersteller beschäftigt war. Mancher Kunde habe hier seinen „Wow-Effekt“ erlebt, weiß Kober.
„Der Po muss mithalten“
Den Kunden wird mit dem so genannten Smartfit-System das Fahrrad wie ein neuer Anzug auf den Leib „geschneidert“. Dazu wird er vermessen und das Fahrrad wird entsprechend angepasst. Und auch für den Sattel gibt es eine Druckanalyse, um für einen bequemen Sitz zu sorgen. „Motoren von E-Bikes sind immer leistungsfähiger. Da muss natürlich auch der Po mithalten“, sagt Nick Kober mit einem Lachen. E-Bikes in Trekking- oder City-Varianten führt der Händler, auch die SUV-Varianten – ein Allrounder für On- und Offroad-Touren.
Eine eigene Abteilung in der rund 360 Quadratmeter großen Verkaufsfläche soll sportiven Rädern wie Gravel- oder Rennrädern gewidmet werden – ein Steckenpferd des Zweiradmechanikers. Funktionskleidung soll das Angebot erweitern. Auch Kinderfahrräder stehen inmitten der Verkaufsfläche.
Auch Touren geplant
Die Pläne reichen aber noch viel weiter: Wenn die Corona-Krise überwunden ist und auch der Verkauf wieder regulär starten kann, wollen Kober und Spadi auch geführte Touren etwa mit Renn- oder Mountainbike-Rädern anbieten.
