Garrel - Viele Fenster sind nicht mehr übrig: Die ehemalige Lehrerwohnung an der St.-Johannes-Straße in Garrel ist in jüngster Vergangenheit immer wieder Ziel von Vandalen geworden. Graffiti und kaputte Scheiben – für die Fraktion „Bürger für Garrel“ (BfG) im Garreler Gemeinderat ist damit das Maß voll. In einem Antrag an den Gemeinderat fordert Professor Dr. Markus Kemper nun, das Gebäude „schnellstmöglich abzureißen, da es sich offensichtlich um einen Brennpunkt handelt, den wir entzerren müssen.“

Ihm, so berichtet Kemper, sei unter anderem von Polizisten berichtet worden, dass es nicht nur vermehrt zu Vandalismus an Schulen in jüngster Zeit gekommen sei, sondern dieser sich auch vermehrt auf den ehemaligen Jugendtreff konzentriert. Fenster und Türen sind mittlerweile mit Holz notdürftig abgesichert. Das Gebäude weiter zu erhalten, sei nicht notwendig, so Kemper, zumal das aus wirtschaftlicher Sicht ohnehin nicht sinnvoll sei.

Als Jugendtreff komme es nicht mehr in Betracht. Der Arbeitskreis Jugend hatte sich dafür ausgesprochen, einen Streetworker mit voller Stelle zu beschäftigen. Einen festen Jugendtreff soll es demnach nicht mehr geben. Die Stelle soll, nachdem eine Beschreibung vorliegt, laut Gemeindeverwaltung ausgeschrieben werden.

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„Es ist nach meines Erachtens eine Frage der Zeit, bis sich die Übergriffe auf andere Gebäude oder sogar Personen ausdehnen“, schließt Kemper. Auch BfG-Fraktionschef Arnold Hannöver unterstützt diesen Antrag. Er regt Gespräche mit der hiesigen und überörtliche Polizei an, da sich Vandalismusschäden in letzter Zeit häuften. „Corona, Langeweile und Übermut sollten wir nicht unterschätzen.“

Die Gemeindeverwaltung sieht die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch das Gebäude nicht gefährdet und daher keinen Handlungsdruck. Nun sei es an den politischen Gremien, eine Entscheidung über die Zukunft des Gebäudes zu treffen, betonte Erster Gemeinderat Karl-Heinz Focken.

Denn es gibt durchaus Stimmen, die sich für einen Erhalt aussprechen. Der Garreler Heimatverein setzt sich dafür ein vor dem Hintergrund, dass es nur noch wenige ältere und ortsbildprägende Gebäude in der Gemeinde gebe. Dieses unter anderen als Lehrerwohnung genutzte Haus ist nach Einschätzung des Heimatvereinsvorsitzenden Günter Buschenlange Anfang der 30er Jahre errichtet worden. Der Heimatverein hat dabei auch Beispiele aus andere Gemeinden vor Augen, in denen Gebäude saniert und nutzbar gemacht worden sind.

Die Dringlichkeit, das Gebäude abzureißen, sieht CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Meyer zwar nicht. Gleichwohl sieht auch er keine Zukunft für das Gebäude, auch wenn darüber noch nicht abschließend entschieden worden sei und ein Abriss schon schmerzlich wäre. Im Zuge der Städtebauförderung soll auch das Gelände überplant werden. „Wir haben die einmalige Chance, den gesamten Bereich zu gestalten.“

Natürlich könnten Mittel aus dem Städtebauprogramm für die Sanierung des Hauses investiert werden. Allerdings, so Meyer, stelle sich die Frage: „Investieren wir viel Geld in ein Gebäude oder in etwas, das der gesamten Gemeinde zugute kommt?“ Zumal es für das Gebäude aktuell keine Nachnutzung gebe.

Die SPD hatte am Donnerstagabend in der Fraktionssitzung über das Thema gesprochen, aber noch keine Entscheidung getroffen. „Das muss man sehr vernünftig überlegen und nicht übers Knie brechen“, betonte Fraktionsvorsitzender Paul Drees, der aber auch die erheblichen Sanierungskosten vor Augen hat.

FDP-Fraktionsvorsitzender Uwe Behrens plädiert wegen der mangelhaften Bausubstanz klar für einen Abriss. Der gesamten Bereich könne gestaltet werden. Zudem müsse man im Auge haben, wie sich die Oberschule entwickele.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)