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Nach Brand in Doppelhaus in Garrel Familie Kaiser „überwältigt von Hilfsbereitschaft“

Das Feuer hatte aus der Garage auf das Wohnhaus übergegriffen. Der Passat auf der Auffahrt ist nur noch Schrott wert.

Das Feuer hatte aus der Garage auf das Wohnhaus übergegriffen. Der Passat auf der Auffahrt ist nur noch Schrott wert.

Garrel - Rußgeschwärzte Wände, ein Absperrband der Polizei warnt vor dem Betreten, der Passat in der Auffahrt ist nur noch Schrott wert. Der Anblick ist für Familie Kaiser nicht leicht, tief sitzen noch die Erlebnisse vom 24. Oktober. In dieser Nacht verlor die Familie ihr Hab und Gut, darunter viele Erinnerungsstücke. In der Garage angrenzend an die Doppelhaushälfte war ein Brand entstanden, der schnell auf das Wohnhaus übergriff. Das Haus ist seither unbewohnbar.

Aufmerksame Passantin

Dass Familie Kaiser mit heiler Haut aus dem Haus gekommen sind, ist nicht zuletzt einer Frau zu danken, die an dem Morgen an der Teichstraße vorbeiging und der die Familie ihren Dank ausspricht. Das will sie auch noch persönlich tun. Das Klopfen und Rufen der Passantin hatten sie zunächst gar nicht gehört. Jasmin Kaiser war in den frühen Morgenstunden aufgewacht. Der Hund hatte angeschlagen. Sie wollte nach ihm sehen, damit die anderen Bewohner nicht wach würden. In dieser Nacht hatte die Familie, die vor viereinhalb Jahren nach Garrel gezogen war, Besuch von Vater und Bruder von Jasmin Kaiser. Sie blickte auf ihr Handy und sah, dass die Nachbarin anrief. Die informierte, dass es bei ihnen in der Garage brennen würde.

Jasmin Kaiser weckte die Familie, alle rannten nach draußen, teilweise auf Socken, teilweise fehlten sogar die. „Innerhalb von drei Minuten waren alle draußen“, erinnert sich Jasmin Kaiser, die nicht daran denken mag, was passiert wäre, wären sie Minuten später auf den Brand aufmerksam geworden.

Gasflaschen entfernt

Ehemann Wolfgang Kaiser-Paulat hatte zunächst die Tür zum Hauswirtschaftsraum vorsichtig aufgemacht – mit der Folge, dass Rauch ins Haus drang und die Rauchmelder losgingen. Mit dem Gartenschlauch versuchte er noch zu löschen – ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, wie er im Nachhinein weiß. Immerhin konnte er noch zwei Gasflaschen aus der Gefahrenzone bringen.

Dankbar sind Jasmin Kaiser und Wolfgang Kaiser-Paulat der Familie Koopmann, die direkt nebenan wohnt. Sie nahmen zunächst die Kinder Laurin (8) und Harry (14) auf. „Ich wollte ihnen den Anblick ersparen“, sagt Jasmin Kaiser. Dort wurden sie versorgt und umsorgt, bis auch die Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams, Roland Wilke und Hubert Looschen, eintrafen. Sie betreuten auch Mutter Jasmin, bei der „der Kreislauf bergab ging“.

Dankbar ist die Familie vor allem über die Hilfsbereitschaft: Nachbarn, Bekannte, auch Fremde brachten Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel, sogar Spielsachen. In der DRK-Kleiderkammer konnten sie sich tags nach dem Brand einkleiden. Eltern von Mitschülern halfen mit Schulsachen aus. Jasmin Kaiser: „Das war wirklich unglaublich.“

Dach über dem Kopf

Ein Dach über dem Kopf hat die Familie dank eines Garreler Feuerwehrmannes gefunden. Der stellte eine leerstehende möblierte Wohnung zur Verfügung. Auch dafür ist Familie Kaiser dankbar. Die Kinder konnten für einige Nächte bei Freunden unterkommen, bis alles geregelt war.

Ein Raub der Flammen wurden aber die meisten Schiffsmodelle, die Wolfgang Kaiser-Paulat seit 40 Jahren baut. Ein Hobby, das sich der Vater mit Sohn Laurin teilt. Umso schmerzhafter ist der Verlust. Zwei Boote hatten Vereinskameraden aus dem Schiffsmodellbauclub Bad Zwischenahn-Edewecht, dessen Vorsitzender Wolfgang Kaiser-Paulat ist, vorbeigebracht, als sie vom den Verlust hörten. Immerhin konnte das Boot, an dem Wolfgang sieben Jahre lang gemeinsam mit seinem Vater gewerkelt hatte, gerettet werden.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
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