Garrel/Friesoythe - Bis zu 8000 Sauen schlachtet BMR in Garrel pro Jahr – doch zuletzt über Wochen nicht. „Endlich können wir wieder schlachten“, meinte Geschäftsführer Peter Moormann am Montag. Am Samstag habe noch eine Großdemo gestört, dann wurde auch bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück nach der Schlachtung auch die Zerlegung wieder aufgenommen.
Über Wochen war der gesperrte Betrieb das Nadelöhr für die schlachtreifen Sauen. „80 Prozent der deutschen Sauen werden in Rheda zerlegt“, meint Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer. Und was nicht zerlegt werden kann, konnte auch nicht geschlachtet werden.
Die Not der Sauenschlachter ist groß. Der Schweinepreis sackte zwar von 2,02 auf 1,47 Euro pro Kilogramm – und bleibt wie alle anderen Notierungen dort auch bis Ende des Monats –, das sind aber „nur“ 27 Prozent. Der Sauenpreis dagegen fiel von 1,71 Euro auf 78 Cent. Das sind 54 Prozent. Und alle Händler zahlen im Moment nur 62 Cent/kg. Das sind 1,09 Euro/kg Minus in kurzer Zeit. Fast 200 Euro Verlust pro Sau.
Thomas König (Friesoythe) hält 400 Sauen. Gut die Hälfte kommt pro Jahr an den Haken. „Noch mehr stört mich der extrem niedrige Ferkelpreis“, meint er. 12 000 Ferkel „produzieren“ seine Sauen im Jahr. 83 Euro/25 Kilogramm erhielt er im März, jetzt sind es nur noch 39 Euro. In den Niederlanden sind das sogar schon 20 Prozent weniger. Mancher Viehhändler holt jetzt nur noch dann Schlachtschweine ab, wenn im Gegenzug auch Ferkel abgenommen werden.
In den Ställen wurde der Platz nicht frei für Jungsauen. Auch wegen der höheren Fruchtbarkeit hat sich die Zahl der Sauen in Deutschland auf 1,8 Millionen reduziert. 1,1 Millionen werden jährlich geschlachtet. Statt 20 000 in der Woche waren das zuletzt 5000. BMR stellte die Sauenschlachtung notgedrungen ganz ein.
Geschäftsführer Moormann ist auf die Politik nicht gut zu sprechen. „Für alles schieben sie der Fleischindustrie die Schuld in die Schuhe“, meint er. Dabei arbeiteten bei Amazon, bei der Meyer Werft, in Weinbergen oder auf Gemüsefeldern deutlich mehr Werkvertragsarbeiter als an den Schlachtbändern.
Die neuen Anforderungen für den Kastenstand würden zu einer Strukturveränderung führen, meint Thomas König, der sich auch im Kreislandvolk engagiert. 850 Euro pro Sau kostet die Umstellung. Kleinere Betriebe würden aufgeben, die Sauenhalter mit vielen Tieren – ein Zentrum bildet der Kreis Cloppenburg – könnten an der Baugenehmigung oder dem fehlenden Platz für die nötige Erweiterung scheitern.
