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Mastbetriebe Im Oldenburger Münsterland Immer noch Rückstand bei Schweine-Schlachtungen

Hermann Gerdes

Garrel/Südkreis - Sind es nun 300.000 oder gar noch mehr Schweine, die in den Ställen der Schweinemäster immer noch übergewichtig aufs Schlachten warten? Letztlich egal, die Rechnerei ist müßig. Auf jeden Fall ist der enorme Rückstand durch die vierwöchige Schließung des Tönnies-Schlachthofes in Rheda-Wiedenbrück, mit 25.000 Schweineschlachtungen am Tag der größte in Europa, längst noch nicht wieder aufgeholt.

Stau von 400.000 Tieren

In Rheda-Wiedenbrück wurden nach der Wiedereröffnung nur 8000 Schweine täglich geschlachtet. So rechnete Dr. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) in Damme, noch vor gut einer Woche einen Stau von 400.000 Schweinen aus. Die Rechnung war ganz einfach: Im Moment werden zwar nur 870.000 Schweine – es waren schon mal 100.000 mehr – wöchentlich gemästet, aber halt auch nur vier Wochen lang 780.000 geschlachtet. Und die Lücke wurde auch bei dann täglich 8000 Schlachtungen in Rheda noch einmal um 40.000 größer. Macht 400.000.

Viele Schlachthöfe in Südoldenburg

Im Kreis Cloppenburg ist die Angebotsseite im Schweinehandel im Vergleich zum Emsland breiter aufgestellt. Jürgen Wendt von der gleichnamigen Viehhandelsgesellschaft in Löningen meldet gar: „Keine Rückstände mehr.“ Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft (EZG) Hümmling in Lorup, dagegen erwartet einen Rückstau noch bis Ende August.

Ein wesentlicher Aspekt beim Vergleich der Regionen sind die Schlachthöfe: Während der Sögeler Schlachthof im Emsland ohne Alternative ist, kann im Oldenburger Münsterland ausgewählt werden zwischen Böseler Goldschmaus, BMR (beide Garrel), Vion (Emstek), Wernke (Cloppenburg), Danish Crown (Essen), Brand (Lohne) und Steinemann (Steinfeld). Das sind nur die größten – aber mit immerhin 12 Millionen Schweineschlachtungen im Jahr.

Und im ersten Halbjahr 2020 erfolgten mit 5,08 Mio. sogar 160 000 mehr Schweineschlachtungen als 2019, hat das Cloppenburger Veterinäramt festgestellt. Keine Schlachterei musste auch nur tageweise geschlossen werden.

Diese Zahl hatte Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft (EZG) Hümmling in Lorup, schon vor Wochen genannt. Seine Mitglieder, auch aus dem Kreis Cloppenburg, konnten dann im Tönnies-Debakel weniger Schweine absetzen, weil der Schlachtriese seine 4000 Vertragsmäster aus Westfalen bevorzugte. Sie liefern jetzt bis zu 7000 Schweine täglich nach Weidemark – der Tönnies-Tochter in Sögel – statt nach Rheda.

Zu schwere Schweine

„Die Emsländer hatten es schwerer als wir“, gesteht dann auch Christoph Hüsing, Geschäftsführer der EZG Oldenburger Münsterland in Bakum, ein. Aber nach wie vor gebe es auch im Oldenburger Münsterland noch schlachtreife und eigentlich zu schwere Schweine.

Die China-Lizenz für den Export von Schweinefleisch haben die größeren Schlachtbetriebe nach wie vor. Nur Danish Crown in Essen hatte Probleme. Ende Juni waren zunächst drei Mitarbeiter positiv getestet worden. Einen Tag später teilte der Landkreis Cloppenburg mit, dass die Nachtestung ein negatives Ergebnis gehabt habe.

Doch vergeblich: Der Schlachterei in Essen, mit 64.000 Schweineschlachtungen einer der größten Betriebe der Region, war die begehrte Export-Lizenz der Chinesen entzogen worden. Falscher Alarm, aber keine Ausfuhr nach China mehr für den 2011 von D&S übernommenen Schlachthof mit 1300 Beschäftigten.

Krisenalarm in Ringsted

Die Rücknahme des Bescheides ist bei den chinesischen Wächter-Behörden mehr als kompliziert. Dann aber klappte es in der Vorwoche. Jens Hansen, Pressesprecher in der Zentrale der dänischen Genossenschaft, bestätigte den Rück-Erhalt der chinesischen Export-Lizenz. Das habe gedauert, „aber wir sind froh, auch mit Essen wieder dabei zu sein“. Dafür gibt es Krisenalarm im dänischen Ringsted. 80 Mitarbeiter sind nachweislich infiziert. Die restlichen der 900 Angestellten wurden am Dienstag getestet.

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