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St.-Marien-Hospital schließt Kreißsaal Sorge um Geburtshilfe in Friesoythe

Ab November werden im St.-Marien-Hospital Friesoythe keine Geburten durchgeführt. (Symbolbild)

Ab November werden im St.-Marien-Hospital Friesoythe keine Geburten durchgeführt. (Symbolbild)

Uli Deck/dpa

Friesoythe - Unter der Oberfläche brodelt es beim Team der Geburtenstation des St.-Marien-Hospitals Friesoythe: Mitarbeiter und Beleghebammen haben am Montag erfahren, dass der Kreißsaal Ende Oktober geschlossen wird. Ebenso wurde die Öffentlichkeit informiert, weswegen offenbar zahlreiche werdende Mütter derzeit bei ihren Hebammen anfragen: „Bist du noch meine Hebamme?“ und „Wo soll ich denn jetzt hingehen?“ Auch bei Facebook ist die Anteilnahme groß. Der Beitrag einer der Beleg-Hebammen, in dem sie die Nachricht verkündet, wurde bereits über 80 Mal geteilt. Frauen aus der Umgebung versichern, wie gut sie in den vergangenen Jahren im Marienhospital begleitet worden seien. Eine Cloppenburgerin schreibt, sie habe eigentlich geplant auch ihr zweites Kind in Friesoythe zu entbinden.

Juristischer Rat

Offiziell will sich das Friesoyther Hebammen-Team noch nicht äußern. Nach Informationen unserer Redaktion lässt es sich gerade vom Hebammenverband und von einem Fachanwalt beraten, wie es weitergehen kann. Die Dienstverträge mit bis zu einem Jahr Kündigungsfrist sind von Seiten der St.-Marien-Stiftung noch nicht gekündigt.

Hebammen-Verband

Das Problem der Geburtshilfe in Deutschland sei, dass sie nicht zur Grundversorgung gezählt werde, sagt Veronika Bujny, Vorsitzende des Hebammen-Verbandes Niedersachsen aus Westoverledingen. Deshalb müssten kleine Krankenhäuser keine Entbindungsstationen vorhalten, anders als eine Innere Abteilung oder eine Chirurgie. Bei Geburten müsse nicht oft medizinisch eingegriffen werden, es müsse aber für Notfälle viel vorgehalten werden. Deshalb glaubt Bujny: „Es geht nur darum, Vorhaltekosten einzusparen. Auch die Anästhesie wird deutlich entlastet, die muss nicht mehr rund um die Uhr anwesend sein. Und die Frauen haben das Nachsehen.“

Es sei „dreist“ die Beleg-Hebammen innerhalb eines Monats von ihrer Einnahmequelle abzuschotten. „Es ist eine Unverschämtheit, zu sagen, es sei alles geregelt. Das ist beleidigend für die Kolleginnen“, sagt Bujny. Hebammen seien für Friesoythe angeworben worden, die ihren Wohnort daraufhin verlegt und ihr Leben danach ausgerichtet hätten.

Die Hebammen waren zuvor nicht in die Entscheidungsfindung der St.-Marien-Stiftung einbezogen worden. Die diensthabende Hebamme und die anwesenden Mitarbeiterinnen wurden von Geschäftsführer Bernd Wessels am Montagmorgen informiert. Informationen in Form von Fragen und Antworten zur Schließung der Geburtsstation gingen ebenfalls am Montagvormittag auf der Internetseite des Krankenhauses online. Das Gespräch mit dem gesamten Hebammen-Team fand dann um 15 Uhr am Montag statt. Da hatten die Frauen bereits nachgelesen, was mit Station 3 passieren soll: „Die ab November 2021 vakanten Räumlichkeiten der Geburtshilfe werden umgebaut und zukünftig für die Erweiterung der Klinikschwerpunkte Ernährung- und Altersmedizin sowie für die Suchtmedizin eingesetzt, unter anderem als Therapieräume.“

40 Minuten Anfahrt

Das St.-Marien-Hospital verweist darauf, dass Schwangere in einem „medizinisch zumutbaren Radius von vorgeschriebenen 40 Minuten Fahrzeit“ mehrere größere und besser aufgestellte Entbindungsstationen mit Neonatologie (Betreuung von Frühgeborenen) und Kinderklinik zur Auswahl hätten. Als Beispiele werden das Klinikum Oldenburg, das Evangelische Krankenhaus Oldenburg, das St.-Josef-Hospital Cloppenburg, die Ammerland-Klinik Westerstede, das Borromäus-Hospital Leer und das Hümmling-Hospital Sögel genannt. Auch das St.-Marien-Hospital in Vechta sei noch gut zu erreichen, merkte Geschäftsführer Bernd Wessels am Montag bei einem Pressegespräch an.

Die Krankenhäuser, die nun Anlaufstelle für die Friesoytherinnen werden, erfuhren auch am Montag von der Kreißsaal-Schließung. „Wir wollen natürlich gerne ein Angebot für die werdenden Mütter aus Friesoythe machen“, sagt Andreas Krone, Geschäftsführer des St.-Josef-Hospitals Cloppenburg, wo derzeit jährlich rund 700 Geburten stattfinden. „Aber wir kämpfen genauso mit dem Fachkräftemangel.“ So habe der Cloppenburger Kreißsaal schon ein-, zweimal über das Wochenende abgemeldet werden müssen, weil nicht genügend Personal verfügbar war.

Eva Dahlmann-Aulike
Eva Dahlmann-Aulike Redaktion Münsterland
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