Thüle/Bösel - 24 500 kurz vor der Schlachtung stehende Truthähne in Bösel, 16 500 Putenhähne in Thüle, in der vorigen Woche 14 400 Puten in Petersfeld in der Gemeinde Garrel direkt an der B 72 – die Vogelgrippe im Landkreis Cloppenburg fordert ihren Tribut. Die Tiere mussten tierschutzgerecht getötet und die Ställe komplett geräumt werden. Somit sind im Kreis Cloppenburg bisher 23 Ausbruchsbetriebe mit insgesamt rund 346 800 Tieren (davon 261 800 Puten, 71 900 Hähnchen und 17 000 Enten) betroffen.
Wildvögel unterwegs
Die Häufung der Fälle in den vergangenen Wochen führen Experten auch auf das Wetter und die sogenannten Kälteflüchter zurück. Das sind Wildvögel, besonders Wassergeflügel, die sich in den milden Januartagen dieses Jahres in ihre Winterquartiere an der Ostseeküste, den Boddengewässern und an den Mecklenburger Seen zurückzogen.
Wenn es plötzlich extrem kalt wird – wie vor drei Wochen geschehen – fliegen die Vögel wieder ins geschütztere Binnenland, also auch in den Kreis Cloppenburg. Wenn es wärmer wird, ziehen sie wieder in die andere Richtung.
Dieter Oltmann, Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbandes Niedersachsen (NGW), sieht aber auch, dass das Geflügel bei den Schneemassen und Minustemperaturen zur Ruhe gekommen sei und jetzt wieder aktiv werde. Auch der NGW rief alle Halter dazu auf, ihre Maßnahmen zur „Biosicherheit“ zu überprüfen und zu optimieren. „Es ist sehr viel Virusmaterial unterwegs“, so Oltmann. Das Friedrich-Loeffler-Institut stuft in seiner aktuellen Einschätzung das Risiko einer Ausbreitung von H5N8 in Geflügelhaltungen als hoch ein.
Menschen infiziert
Der Virussubtyp H5N8 tritt seit Herbst 2020 verstärkt in Europa auf und führte auch in Deutschland zu zahlreichen Ausbrüchen von Geflügelpest.
Für Menschen gilt H5N8 eigentlich als unbedenklich – auch, weil es bislang keinen Hinweis auf Übertragungen gab. Das hat sich allerdings geändert. Kürzlich teilten russische Behörden mit, dass sich bereits im Dezember 2020 sieben Mitarbeiter eines Geflügelmast-Betriebs mit H5N8 infiziert hatten. „Das ist weltweit das erste Mal“, sagte die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, Elke Reinking.
Für die Tiere ist das Virus fast immer tödlich. Deshalb wurde um die jetzt betroffenen Mastbetriebe ein Sperrbezirk im Radius von drei sowie ein Beobachtungsgebiet im Radius von zehn Kilometern eingerichtet. Wie bereits die meisten vorherigen Ausbrüche erfolgten auch die aktuellen in einer Gegend, die von Experten bereits als Risikogebiete eingestuft wurden. Dort gilt ohnehin schon die Stallpflicht, weil die Gefahr besonders entlang der Feuchtgebiete und Gewässer groß ist.
Sämtliches im Landkreis Cloppenburg gehaltenes Geflügel (Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse) ist in geschlossenen Ställen oder unter Vorrichtungen, die gegen Einträge und Eindringen von Wildvögeln gesicherten sind, zu halten.
