Strücklingen - Sie haben einiges aus der Ortschaft Strücklingen zu erzählen – insbesondere aus vergangenen Tagen: der 87-jährige Conrad „Kurt“ Niemeyer, der 95-jährige Fritz Kruse und der 70-jährige Clemens Ahrens. Das Dreigestirn trifft sich montags im Mandehuus des Bürgervereins Strücklingen zusammen mit dem Saterfriesisch-Beauftragten Henk Wolf, um besondere Geschichte und Ereignisse aus Strücklingen für die Nachwelt zu erhalten.
„Mir kam die Idee, dieses Treffen zu installieren, damit insbesondere die alten Geschichten von Strücklingen aufgearbeitet und aufgezeichnet werden und der Nachwelt erhalten bleiben“, sagt Wolf. Er bietet seit Anfang dieses Monats eine Sprechstunde im Mandehuus an. Er steht dort aber auch für Fragen, Ideen und Anregungen oder einfach für Gespräche auf Saterfriesisch oder über Saterfriesisch zur Verfügung.
„Wandelnde Lexika“
„Wer könnte aus der Geschichte von Strücklingen besser berichten und erzählen als Kurt und Fritz“, sagt Ahrens, der die beiden im Auftrag von Henk Wolf angesprochen hat. Sowohl Niemeyer als aus Kruse bezeichnet der wesentlich jüngere Ahrens als das Gedächtnis des Orts Strücklingen: „Es sind wandelnde Lexika.“ „Die interessantesten Geschichten schreibe ich auf. Alle werde ich wohl nicht schaffen. Das ist dann doch zu viel Arbeit“, sagt Wolf. Die Erzählungen sollen einen Einblick in das Leben der Saterländer geben.
An diesem Montag hatte die Truppe über alte Fotos gesprochen, die ihnen vom ehemaligen Rektor des Schulzentrums Saterland, Franz Strotmann, zur Verfügung gestellt wurden. „Die sichten wir jetzt und werden die wichtigsten und interessantesten Aufnahmen scannen und archivieren“, erklärt der Saterfriesisch-Beauftragte. Zu sehen sind die Fotos dann auf der Webseite www.seeltersk.de. Kurz schaut noch ein Strücklinger Bürger im Mandehuus vorbei. Er bringt alte Unterlagen vorbei und eine selbst von ihm geschriebene Geschichte über Menschen, die den Teufel im Strücklinger Moor gesehen haben wollen.
Vom Bauer zum Pfarrer
Eine interessante Geschichte aus vergangenen Tagen steuert auch Niemeyer bei: „Ahlarich Dumster aus Utenede sollte eigentlich als junger Mensch Bauer werden. Als er jedoch eines Morgens zum dritten Mal hintereinander mit dem Pferdegespann samt Wagen umkippte, meinte sein Vater: ,Du wirst nie Bauer, du kannst wohl Pastor werden’. So kam es dann auch. Am nächsten Tag packte Ahlarich prompt seine sieben Sachen und fuhr nach Vechta und wurde Priester.“ Damals sei das so wohl noch möglich gewesen. „Irgendwann war Ahlarich Dumster dann viele Jahre Pastor in Scharrel“, so Niemeyer.
Alle Interessierten sind montags ab 10 Uhr eingeladen, ins Mandehuus in Strücklingen zu kommen. Wer möchte, kann sich vorab per E-Mail an wolf@saterland.de anmelden, „aber einfach vorbeikommen ist auch möglich“, erklärt der Saterfriesisch-Beauftragte.
