Friesoythe - Wie wird ein Kondom übergezogen, womöglich im Dunkeln oder wenn die Beteiligten betrunken sind? Was tun bei einer HIV-Infektion? Und wie reagieren, wenn sich jemand aus der Klassengemeinschaft als lesbisch oder schwul outet? – Für die letzte Frage gibt es keine korrekte, nur eine persönliche Antwort. „Gelassen“ würden sie reagieren, sagen die BBS-Schüler, die beim Parcours zum Thema Sexualität, Verhütung, Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten im Forum am Hansaplatz mitmachen. Das besondere in diesem Fall: Fünf Schülerinnen der 12. Klasse der Fachoberschule Gesundheit und Soziales an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Friesoythe betreuen den Parcours, unterstützt von ihren Mitschülern.
Lockerer als Lehrer
Michaela Luttmann, Isabel Janßen, Sarah Tholen, Lara Bläker und Esma Dumanoglu haben sich in ihrer Projektarbeit bei Biologie-Lehrerin Jutta Göken Gedanken zu diesen gemacht. Den Parcours mit seinen Stellwänden und Materialien, der mit allen Beruflichen Schulen im Landkreis Cloppenburg entwickelt worden ist, können sich die Schulen ausleihen. Normalerweise würden die fünf Stationen von Lehrern oder Mitarbeitern des Gesundheitsamtes betreut, berichtet dessen Mitarbeiterin Annika Chmiel. Doch unter Schülern sei der Zugang doch noch etwas lockerer. „Die Schülerinnen sind näher dran. Bei uns oder bei den Lehrern bedeutet es erstmal eine Überwindung, über so etwas zu sprechen“, sagt Chmiel.
Natürlich gibt es einige lockere Sprüche, Lacher und auch etwas Zurückhaltung zum Beispiel, wenn an einer Station die Frage aufkommt: „Wie wird ein Kondom richtig aufgezogen?“ Denn hier sollen die Schüler auspacken, richtig herum auf Silikonpenisse aufsetzen, Luft aus dem Hütchen drücken – Achtung: im echten Leben das Zurückziehen der Vorhaut nicht vergessen – und dann abrollen. Wer traut sich? In dieser Gruppe Schülerinnen und Schüler des Berufsbildungsbereichs wagt sich als Erstes ein Mädchen vor. Sie setzt gleich die Alkoholbrille auf, die das Ganze noch einmal zu einer größeren Herausforderung macht.
An einer weiteren Station geht es darum, den anderen Gruppenmitgliedern Begriffe rund um das Thema Sexualität zu beschreiben – nur mit Pantomime. Am Glücksrad werden die Schüler zufällig mit Fragen konfrontiert, wie eben der Frage, wie man reagieren würde, wenn sich jemand aus der Klasse outen würde. Und wenn es an Po, Penis oder Scheide juckt? Definitiv zum Arzt gehen.
In Orientierungsphase
An den BBS seien Schülerinnen und Schüler aus allen Schichten anzutreffen, die meisten seien in diesem Alter in einer Phase der Orientierung. „Viele denken: Die sind doch schon so alt, die müssten das wissen“, sagt Chmiel. Dem sei nicht so. Schwerpunkt des Parcours sei es, Gesundheitswissen weiterzugeben. Dabei seien die Infos nicht nur auf Heterosexualität zugeschnitten. Es werde vermittelt, dass es unterschiedliche sexuelle Orientierungen gebe und dass jeder bei Ausleben der Sexualität Verantwortung für die Gesundheit ihrer Partner habe.
