Thüle - Unter der Wasseroberfläche der Soeste und der Thülsfelder Talsperre ist einiges los, was auf den ersten Blick gar nicht auffällt. Doch Hauptgewässerwart Knut Tholen und seine Kollegen vom Fischereiverein Friesoythe haben einen guten Überblick über Biologie und Chemie in den Gewässern, für die sie zuständig sind. In einer Themenführung wollen sie das Interessierten zeigen (siehe Infokasten). „Im Fischereiverein geht es nicht nur ums Angel“, sagt Tholen. „Wir sind auch so etwas, wie die Anwälte der Fische. Wir achten darauf, dass es ihnen gut geht.“
Einsatz des Küchensiebs
Am alten Überlauf der Thülsfelder Talsperre am Stauwerk hat er auf einem Campingtisch einen großen Untersuchungskoffer platziert, mit dem er alle wichtigen Parameter des Soestewassers überprüfen kann. Doch das sei gar nicht so aussagekräftig, sagt Tholen: „Wenn jemand Chemikalien in ein fließendes Gewässer einleitet, dann ist das nur eine Momentaufnahme.“ Die Chemiewolke werde weitergetragen, das nachfließende Wasser sei wieder sauber. Viel entscheidender für die Bewertung des Gewässerzustandes sei, was dort kreucht und fleucht. Mit einem schnöden Küchensieb ist Tholen durch den vom Gewässerverein renaturierten Abfluss des alten Überlaufs gegangen und zeigt nun in einer weißen Plastikwanne, wer dort lebt: Bachflohkrebse, Laven der Köcherfliege in ihren Köchern, Eintagsfliegenlarven, Kriebelmückenlarven.
Der Fischereiverein Friesoythe bietet am Samstag, 9. Juli, eine Themenführung „Vielfältiges Leben im Wasser“ an der Thülsfelder Talsperre und der Soeste an. Die Teilnehmer können mehr über die Arbeit des Fischereivereins erfahren und die verschiedenen Möglichkeiten der Gewässeruntersuchung kennenlernen. Die Themenführung beginnt um 9.30 Uhr an der Thülsfelder Talsperre und dauert 1,5 Stunden. Die Teilnahme kostet pro Person 6 Euro.
Die Führung ist Teil des Freizeitangebots „Einfach mal rauskommen. Heimat, Vielfalt – neu entdecken“ des Vereins Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre (ETT) im Juli. Anmeldungen sind zwingend erforderlich unter Telefon 04471/15256 oder per E-Mail an info@thuelsfelder-talsperre.de.
Weitere Angebote sind ein Rundgang durch die Eisenstadt Friesoythe (3. Juli), eine geführte Radtour zur Geschichte Friesoythes (4. Juli) sowie eine Radtour zum Arbeitsalltag der Scheiben-Kathrine, einer Hebamme die 40 Jahre in Altenoythe gearbeitet hat (6. Juli).
„Die Eintagsfliegenlarven leben zwei Jahre im Wasser. Wenn man nur sehr junge oder mittelalte Larven findet, ist das ein Zeichen dafür, dass mal etwas passiert sein muss“, sagt Tholen, der seit 20 Jahren Gewässerwart in einem der größten Fischereivereine Deutschlands ist. Denn die Friesoyther Ortsgruppe bildet gemeinsam mit den Ortsgruppen Bösel, Cloppenburg, Edewechterdamm-Kampe, Esterwegen, Garrel, Neuvrees-Gehlenberg, Neuscharrel, Peheim-Markhausen und Saterland den Fischereiverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht, der sich um Soeste, Aue, Lahe, Marka, Ohe, Sagter-Ems und deren Zuläufe kümmert. Regelmäßig untersuchen die Gewässerwarte das Wasser und seine Bewohner und vergeben je nach Anzahl und Ausprägung der verschiedenen Wasserlebewesen Schulnoten für den Zustand der Gewässer. „Hier würde ich insgesamt eine 2,0 vergeben, was eigentlich nicht schlecht ist“, sagt Tholen.
Vom Strom angezogen
Dann steigt er mit Wathose und Elektrofisch-Ausrüstung in die Soeste. „Das tut den Fischen nicht weh und betäubt sie auch nicht. Sie werden nur vom Netz angezogen“, versichert Tholen. Kaum hat er das Netz ins Wasser abgesenkt, tanzen dort ein kleiner und ein mittelgroßen Aal. Schnell wieder ins Wasser mit ihnen. Und schon sind zwei Gründlinge – die kleinste Karpfenart – im Netz. Alles gute Zeichen für die Gewässerqualität, denn ab dem Überlauf der Talsperre ist der Wasserweg frei bis zur Nordsee, Wanderfische wie die Aale können bis zu den Laichbetten unterhalb der Talsperre aufsteigen. Die hat ihnen der Fischereiverein dort vor Jahren angelegt.
Was die Gewässerqualität weiter verbessern würde – auf eine glatte 1,0? Jeder Graben müsse idealerweise renaturiert werden und an beiden Seiten fünf Meter Platz haben, auf denen nicht geackert werde, sagt Tholen. Es gibt noch viel zu tun für die Gewässerschützer.
