Bösel - 15 Jahre hat sich Hildegard Westerhoff im Ehrenamt für die Belange von Frauen in der Gemeinde Bösel eingesetzt. Jetzt, mit Ende der Ratsperiode, wird sie ihr Amt als Gleichstellungsbeauftragte aufgeben.
Zum 1. November 2021 sucht die Gemeinde Bösel eine ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzt. Nach Möglichkeit soll auch die Koordination der Betreuungsangebote übernommen werden.
Bewerbungen nimmt die Gemeinde postalisch oder per Mail (gemeinde@boesel.de) bis zum 3. September entgegen.
Private Tagespflege
Ihr Engagement hat sich 2007 zufällig ergeben. Westerhoff ist gelernte Bandagistin und arbeitete im Krankenhaus. Dann wurde sie schwanger und ging in Elternzeit. Zwischendurch passte sie auf die Tochter einer Freundin auf. So sei sie zur Tagespflege gekommen und dabei geblieben, erinnert sich Westerhoff. Heute hat sie drei erwachsene Kinder, eine Enkelin und betreut in ihrer privaten Tagespflege bis zu fünf Kinder am Tag.
Als die Verwaltung für Bösel eine Person suchte, die Tagespflege-, Kindergarten- und Hortplätze koordiniert und vermittelt, sagte Westerhoff zu und übernahm parallel das Ehrenamt der Gleichstellungsbeauftragten. Beides passe gut zusammen, findet die 53-Jährige. „Es ist wichtig, genügend Betreuungsangebote anzubieten, damit Frauen das ausüben können, was sie möchten.“
Als Gleichstellungsbeauftragte ist Westerhoff unmittelbar dem Bürgermeister unterstellt, in ihrer Arbeit aber nicht weisungsgebunden. Anfangs hat sie jede Woche eine Sprechstunden angeboten. „Aber die Anlaufstelle wurde nicht so gut angenommen.“ Und so nahm sie ihre Tätigkeit mit nach Hause. „Oft werde ich auch auf der Straße angesprochen.“
Direkt 2007 war Westerhoff an der Gründung des Arbeitskreises TAG (Tagesbetreuungsausbaugesetz) beteiligt, in der sie sich bis heute engagiert. Zudem nahm sie an Ratssitzungen teil und achtete bei Einstellungsgesprächen der Gemeinde darauf, dass auch Bewerberinnen berücksichtig wurden. Männerthemen hätte sie in den 15 Jahren nicht auf dem Tisch gehabt. „Da wäre interessant gewesen.“
Mit den überwiegend männlichen Ratsmitgliedern sei sie sehr gut klargekommen, sagt Westerhoff. Sie hätte selbstbewusst ihren Standpunkt klar gemacht und sei damit immer auf offene Ohren gestoßen. Nur anfangs, als es um die ersten Krippengruppen gegangen sei, hätten die Herren gemeint, „das brauchen wir doch gar nicht“. „Das war ein altes Bild. Das musste man sprengen“, sagt Westerhoff. Denn der Bedarf war da. „Alle Plätze waren ruck zuck voll.“ Auch heute hinke die Gemeinde mit den Betreuungsplätzen hinterher.
Etwas bewegen können
Sie habe es immer als reizvoll empfunden, durch ihre Tätigkeit Einblicke in die Gemeindestrukturen zu bekommen und selbst etwas erreichen zu können, sagt Westerhoff. Ein Punkt, in dem sie gerne mehr bewegt hätte: „Es ist schade, dass die Frauen im Rat zu wenig vertreten sind.“ Denn: „Frauen können eine andere Perspektive aufzeigen.“
