Ramsloh - Werden Leichen bei einer Seebestattung einfach so ins Meer geworfen? Wie sieht eine Urne aus? – Kinder haben ganz pragmatische Fragen zum Sterben und dem Tod. Das berichtet Miriam Tebbe-Fastje, Hospiz-Koordinatorin beim Malteser Hilfsdienst Friesoythe. Mit ihrer Kollegin Martina Kramer und den Ehrenamtlichen Margot Ohm, Andrea Schwantje, Daniela Willer, Elisabeth Geesen, Helene Kösters und Rosa Strohschnieder war sie mit einem Workshop zu Tod und Trauer zu Gast in den drei dritten Klassen der Grundschule Ramsloh.
Bedenken und Offenheit
Die Kinder hatten Bilder von Zuhause mitgebracht, von verstorbenen Angehörigen oder ihren Haustieren. Damit bastelten sie einen Erinnerungsrahmen. Und sie gestalteten Troststeine, die zum Schluss in ein Säckchen kamen, aus dem sich jeder blind wieder einen Troststein ziehen konnten, den jemand anderes bemalt hatte. Der Trost wurde also weitergegeben. Auch um den eigenen Umgang mit Traurigkeit und anderen schlechten Gefühlen ging es im Workshop mit den Maltesern. Der Tipp für die Kinder: Weil Körper und Emotionen zusammenhängen, können auch Bewegungen Gefühle beeinflussen. Man kann sie wegschütteln, man kann sich groß machen, man kann die Hände in die Hüften stemmen und so Mut schöpfen.
„Vorab hatten viele Eltern Bedenken“, berichtet Miriam Tebbe-Fastje. Es sei ein verständlicher Reflex, sein Kind vor Traurigkeit und schwierigen Situationen zu bewahren. „Aber wir gehen es spielerisch und altersgerecht an. Kinder sind auch viel pragmatischer und nicht so emotionsbeladen wie Erwachsene.“ Zu Beginn habe sie den Kindern versprochen, alle Fragen ehrlich zu beantworten. Dabei gehe es auch darum, ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen und: „Die merken, wenn du sie anflunkerst.“ Bei einem früheren Fall musste sie deshalb bei einer kniffeligen Frage erstmal selbst recherchieren. Sterben Raupen, wenn sie zu Schmetterlingen werden? Oder verändern sie sich nur?
Um die Frage mit der Urne zu klären – die kommt nämlich immer – haben die Malteser für alle Gruppen eine Urne dabei. Dann sei die erste Frage: Da ist aber keiner drin, oder? „Wir versuchen auf alle Religionen einzugehen“, sagt Tebbe-Fastje. Bei Muslimen und den verschiedenen christlichen Konfessionen gebe es das gleiche Grundgerüst: Nach dem Tod, steigt die Seele zu Gott auf. Doch es gebe unterschiedliche Ansprüche an Bestattungen und die Kinder hätten bereits unterschiedliche Erfahrungen gemacht. So hatten von den 23 Schülern einer der drei Gruppen vier Kinder schon einmal einen toten Menschen gesehen. Anders als bei Erwachsenen sollte man mit Kindern nicht beschönigend sprechen: „,Friedlich eingeschlafen’ – diese Floskel ist für Kinder ganz schlecht“, sagt Tebbe-Fastje. „Sie könne Ängste entwickeln vor dem Einschlafen. Wir arbeiten den Unterschied heraus. Ein toter Mensch sieht anders aus als ein lebender, er fühlt sich anders an, er atmet nicht.“
Spaß und Gedenken
Als die Kinder dran waren, den Maltesern zu sagen, wie sie den Vormittag mit ihnen fanden, gab es sehr viele positive Reaktionen: „Das hat richtig viel Spaß gemacht, ich konnte viel lachen“, sagte Fiete. Es sei ein „schöner Tag“ gewesen, sagte Fatme. Und auch über ihre Trauer sprachen die Kinder. Er wolle seine verstorbene Oma nicht vergessen, sagte Kyrill.
