Harkebrügge - Was man heute noch in der Nordsee oder in Saudi-Arabien fördert hat man auch schon mal unter Harkebrügge gesucht. Die Rede ist vom „schwarzen“ oder „flüssigem Gold“ – das Erdöl. 1956 wagte die Mobil-Oil AG das Unmögliche. Sie vermutete unter Harkebrügge Erdöl. Unter Harkebrügge? Für Heimatforscher Heinz Frerichs ist das gar nicht so ungewöhnlich. „Das Dorf liegt am Rande eines Salzstocks und an den Randgebieten hat man schon oft Erdöl gefunden“, sagt Frerichs.
Großbaustelle im Dorf
Auch die Stelle, wo 1956 gebohrt wurde, kennt er genau – die dazugehörige Karte liegt wohl verpackt in seinem Heimatarchiv. „Dort, wo heute das Wohnhaus Dorfstraße 52 steht, wurde in der Nähe gebohrt. Für die damaligen Verhältnisse war das eine absolute Großbaustelle“, sagt Frerichs. Die Bohrstelle wurde „Kamperfehn 1“ genannt, da auch der Salzstock nach Kamperfehn benannt wurde. Begonnen wurde am 11. Juni 1956. Bis zum August wurde bis zu einer Tiefe von 2150,6 Meter gebohrt. „Die Gier nach Erdöl war gerade nach dem Zweiten Weltkrieg zurzeit des deutschen Wirtschaftswunders sehr groß“, sagt Frerichs.
Mehrere 100 Tonnen Material wurden bei der Bohrung bewegt. „Auf der Baustelle waren unter anderem ein Oberbohrmeister, zwei Bohrmeister, zehn Bohrarbeiter, acht Hilfskräfte und sechs Lkw-Fahrer pausenlos im Einsatz. Das Spülfeld war 24 Stunden in Betrieb“, hat Frerichs recherchiert. Doch jede Bohrmeißel ist irgendwann verschlissen. Insgesamt 16 Stunden dauerte es, so eine Meißel zu wechseln. „Das war harte Arbeit damals. Die Arbeiter waren direkt vor Ort in Baracken untergebracht. Pro Stunde kam man beim Bohren gerade einmal zweieinhalb Meter voran“, fand Frerichs heraus.
Doch bei seiner Recherche hat ihn eine Sache stutzig gemacht. Nicht alle Unterlagen über die Bohrungen in Harkebrügge sind öffentlich zugänglich. „Hat die Öl-Firma vielleicht doch etwas gefunden oder haben sie noch irgendetwas zu verbergen?“, fragt sich der Heimatforscher.
Hohes Risiko
Laut offiziellen Angaben wurde aber nichts gefunden. Als „Fehlschlag“ sind die Bohrungen in Harkebrügge deklariert. „Die ganze Aktion hat fünf Millionen D-Mark gekostet. Das war zur damaligen Zeit unheimlich viel Geld. Aber mit diesem Risiko musste man im Öl-Geschäft leben“, sagt der Harkebrügger. Im August 1956 wurden die Bohrungen eingestellt. Ein greifbares Relikt hat Frerichs von der Bohrung noch aufbewahrt – zum Heimatarchiv gehört ein Originalstück der damals verwendeten Füllmasse.
