Cloppenburg - Die 15-köpfige Steuerungsgruppe der Gesundheitsregion Cloppenburg, in der unter anderem Vertreter aus der Kreisverwaltung, der Ärzteschaft, der Krankenhäuser und der Krankenkassen sowie Bürgermeister Mitglied sind, trifft sich am 19. Oktober, um unter anderem das Themenfeld „Hebammenmangel und Kreißsaal“ zu besprechen. Das erklärte Cloppenburgs Verwaltungschef Neidhard Varnhorn (CDU) jetzt während der jüngsten Ratssitzung. Einstimmig forderte der Rat den Bürgermeister auf, davon in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport, Familie und Soziales zu berichten.
Darüber hinaus sprach sich der Rat auf Antrag der Gruppe SPD/Linke ebenfalls einstimmig für den Erhalt der stationären Hebammenversorgung im Landkreis Cloppenburg aus. Er forderte „alle Beteiligten“ auf, die notwendigen Maßnahmen dafür zu ergreifen.
Ohne Gegenstimmen
Zudem beauftragte der Rat ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen die Verwaltung, an die Bundes- und Landesregierung zu appellieren, eine bedarfsgerechte Vergütung der Geburtshilfe sicherzustellen. Hintergrund ist die endgültige Schließung des Kreißsaals in Friesoythe im September 2021 sowie die Teilschließung des Kreißsaals in Cloppenburg an den zurückliegenden Wochenenden im Juli und August.
Damit schaffte der Rat, was in der jüngsten Fachausschuss-Sitzung am 7. September noch nicht gelungen war. Nach einigem Hin und Her einigte man sich darauf, zwei der fünf Punkte aus dem SPD/Linke-Antrag zur Abstimmung zu stellen: So billigte dann auch die CDU/FDP/Zentrum-Gruppe den abgespeckten SPD/Linke-Antrag.
Die konservative Fraktion hatte sowohl im Rat als auch in der Fachausschuss-Sitzung erklärt, dass die Stadt nicht für die missliche Lage verantwortlich sei. Die Verantwortlichen säßen in Berlin und Hannover, der Stadtrat müsse sich um Probleme kümmern, die in seinem Verantwortungsbereich lägen, meinte Fraktionschef Professor Dr. Marco Beeken.
Jutta Klaus warnt
UWG-Ratsmitglied Jutta Klaus sorgt sich derweil auch nach der 24/7-Wiedereröffnung des Cloppenburger Kreißsaals im September um dessen Fortbestand. 2020 seien im Landkreis Cloppenburg 2074 Kinder zur Welt gekommen, davon aber „nur“ 678 im einzigen Kreißsaal des Kreises – in der Stadt Cloppenburg.
Die Geburtenzahlen
Die übrigen „Cloppenburger“ Kinder seien also in den umliegenden Kreisen zur Welt gekommen. Man gehe – so Klaus – davon aus, dass es bei unter 500 Geburten pro Jahr in einem Haus keine gute Versorgungsqualität gebe. Cloppenburg sei mit seinen 678 nicht mehr weit von dieser Marke entfernt. „Und Vechta ist auch nicht weit.“ Klaus forderte eine gute und verlässliche 24/7-Geburtenversorgung in Cloppenburg, damit Gebärende dort wieder Sicherheit vorfänden und wieder verstärkt ins St.-Josefs-Hospital kämen.
SPD/Linke-Fraktionsvorsitzender Jan Oskar Höffmann sprach vor dem Hintergrund der (Teil)-Schließungen der Kreißsäle und des Hebammenmangels vom Versagen auf drei Ebenen. Zunächst einmal habe das Gesundheitssystem versagt, weil es die Hebammen zu schlecht bezahle. Zum zweiten habe der Kreis versagt, der für die Krankenhausversorgung vor Ort zuständig sei und von der Teil-Schließung des Kreißsaals in Cloppenburg erst aus der Presse erfahren habe. Und drittens sprach Höffmann von einem häuslichen Versagen des St.-Josefs-Hospitals.
Die Hebammen dort seien schlechter als in Oldenburg bezahlt worden, hätten zudem eine schlechtere Ausstattung. Deshalb seien etliche Kräfte aus Cloppenburg abgewandert.
